Politik : Tausende Schaulustige verfolgen Suche nach US-Piloten am Tigris

Rumsfeld: Es könnte sein, das er ein Kriegsgefangener ist / Mehrere Soldaten vermisst / Irak will die Amerikaner im Fernsehen präsentieren

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Bagdad/Kairo/Washington (dpaAFP). Der Irak hat nach eigenen Angaben einen alliierten Piloten gefangen genommen. Nach Informationen des arabischen Fernsehsenders Al Dschasira soll der über dem Stadtzentrum abgeschossene Pilot am Sonntagnachmittag aufgegeben haben, nachdem sein Versteck in einem Schilfgürtel am Ufer des Tigris von Sicherheitskräften in Brand gesetzt worden war. Später wurde die Meldung jedoch dementiert. Auch das USVerteidigungsministerium und US-Dienststellen in Nahost dementierten die Meldung. Indirekt gestand Verteidigungsminister Donald Rumsfeld jedoch ein, das ein Flugzeug verloren sein könnte. Er sagte, ihm lägen Berichte vor, laut denen ein Flugzeug der US-geführten Streitkräfte über Irak verschwunden sei: „Wir glauben, dass einige US-Soldaten vermisst werden.“ Auf die Frage, ob sie Kriegsgefangene seien, sagte er: „Das könnte sein.“

Die Suche nach einem zweiten Piloten hielt in Bagdad auch nach zweieinhalb Stunden an. Hunderte von Freiwilligen, Soldaten und Sicherheitskräfte durchkämmten wie bei einer Treibjagd das dicht bewachsene Ufer des Tigris im Stadtzentrum. Soldaten schossen Salven in das Schilf und ins Wasser. Auf dem Fluss waren mehrere Schlauch- und Patrouillenboote unterwegs.

Die zum Informationsministerium führende Brücke und das Ufer waren von Tausenden von Schaulustigen bevölkert. Fernsehbilder zeigten nach Angaben von Al Dschasira jubelnde und feiernde Iraker nach der angeblichen Gefangennahme des Piloten. Eine Fernsehaufnahme oder weitere Angaben zur Nationalität des Gefangenen gab es zunächst nicht. Iraks Präsident Saddam Hussein hatte am Freitag 50 Millionen Dinar (17 240 US-Dollar) für einen gefangen genommenen alliierten Soldaten ausgelobt.

Irakische Truppen haben nach Angaben der politischen Führung des Landes Kriegsgefangene unter den amerikanisch-britischen Angreifern gemacht. Vizepräsident Taha Jassin Ramadan sagte am Sonntag in Bagdad, die Gefangenen und zerstörte feindliche Panzer würden binnen Stunden im Fernsehen vorgeführt.

Unterdessen haben die Amerikaner ihrerseits ein Lager für Kriegsgefangene im Süden eingerichtet. Säuberlich haben US-Soldaten ein kleines Feld in den Wüstensand gezeichnet. Dort sitzen 149 Männer – unrasiert, in Tarnanzügen, Uniformen oder simplen T-Shirts und Hosen. Es sind die ersten irakischen Gefangenen, die das zweite Bataillon des fünften Regiments der US-Marineinfanterie gemacht hat. Irgendwo in der südirakischen Wüste warten sie darauf, in ein provisorisches Auffanglager der US-Armee für irakische Kriegsgefangene gebracht zu werden.

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