Politik : Tauwetter

Esther Kogelboom

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Die Mode wird optimistisch, lesen wir im Magazin der „Süddeutschen Zeitung“ und betrachten im beheizten Büro und im dicken Rollkragenpullover die farbenfrohe Vielfalt an dünnen Sommerkleidchen. Kleider waren ja schon immer ein Indiz für die Stimmung im Land. Die Frage ist nur: Hat die Mode wirklich Grund, so fröhlich-romantisch zu tun?

Der Trend zur lässigen Verspieltheit geht aber noch weiter: Pünktlich zum Valentinstag wird bekannt, dass Norbert Blüm einen Liebesroman aufschreiben will. Nichts Fiktives, sondern eine wahre Geschichte. Es geht um Blüms Onkel, der seine ehemalige Verlobte im Altersheim wiedertrifft. Die beiden hatten sich 60 Jahre zuvor getrennt. Die Frau war damals in die USA ausgewandert, hatte einen anderen geheiratet und war nach dem Tod ihres Mannes nach Deutschland zurückgekehrt. Damit ist bewiesen, dass Norbert Blüm nicht nur an die Sicherheit der Renten, sondern auch an die große Liebe glaubt. Seufz. Es ist zum Dahinschmelzen.

Hinter den Linden allerdings ist die Stimmung nach wie vor eher frostig. Doch jetzt hatte wenigstens die französische Botschaft genug davon. Die Franzosen ergriffen die Initiative. Polizei und Feuerwehr mussten anrücken. Schließlich war zwischen 8.35 Uhr und 9.10 Uhr die Wilhelmstraße auf Höhe der Botschaft auf beiden Seiten gesperrt. Was war passiert? Dicke Eisbrocken und auch filigranere Schneeformationen hatten sich vom Dach der Botschaft gelöst, waren zunächst auf ein Vordach geknallt und gerieselt, um dann auf die Straße zu schlagen. Verletzt wurde niemand. Die Franzosen verbreiten eine frohe Botschaft: Sie tauen. Très chic. Diese Mode ist heiß.

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