Politik : Teheran droht mit Energiekrise – Ölpreis steigt

Irans religiöser Führer warnt die USA im Streit um Atompolitik vor „falschen Schritten“ / Rice: Nicht auf jeden Kommentar reagieren

Ruth Ciesinger

Berlin - Als Reaktion auf eine Äußerung von Irans religiösem Führer Ajatollah Chamenei sind am Pfingstwochenende die Ölpreise erneut nach oben geschnellt. Für die Sorte „Light sweet crude“ wurden am Montag im New Yorker elektronischen Handel 73,70 Dollar pro Barrel gezahlt. Zeitweise wurden nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP sogar die Spitzenwerte vom 11. Mai erreicht. In London kostete demnach im Interkontinentalhandel die Sorte Brent 72,54 Dollar. Auch die Preise für Benzin, Gas und Heizöl legten auf den internationalen Rohstoffmärkten zu.

In einer Rede zum 17. Todestag von Revolutionsführer Ajatollah Chomeini hatte Chamenei am Sonntag gesagt: „Wenn die Amerikaner einen falschen Schritt gegenüber dem Iran machen, wird dadurch der Öltransport mit Sicherheit gefährdet, und die Amerikaner wären in der Region nicht in der Lage, die Energieversorgung aufrechtzuerhalten“. Der Iran ist weltweit viertgrößter Erdöllieferant, und die Ölmärkte reagieren sensibel auf den Streit um sein Atomprogramm. So waren nach der Ankündigung Washingtons, sich nach Jahren diplomatischer Funkstille möglicherweise an Gesprächen mit Teheran zu dessen Atomprogramm zu beteiligen, der Preis für ein Barrel US-Leichtöl um fast zwei Dollar auf 70,20 Dollar gefallen. Öl der Nordseesorte Brent war auf 69,30 Dollar gesunken.

Auf politischer Ebene wurde Chameneis Rede dagegen zurückhaltend bewertet. US-Außenministerin Condoleezza Rice sagte, man warte die Reaktion Teherans zum Angebotspaket der fünf Vetomächte im Sicherheitsrat und Deutschlands ab, das der EU-Außenbeauftragte Javier Solana wohl am Dienstag übergeben wird. „Wir werden nicht auf jeden Kommentar der iranischen Führung reagieren“, zitiert die „Washington Post“ die Ministerin. „In den vergangenen Tagen haben sie eine Menge gesagt.“ Der Westen misstraut den laut Iran rein friedlichen Zwecken des Atomprogramms und will das Land jetzt mit einem Paket aus Anreizen und Drohungen an den Verhandlungstisch zurückbringen.

Präsident Mahmud Ahmadinedschad hatte eine Prüfung des Angebotes angekündigt. „Wir werden nicht vorschnell über diese Vorschläge urteilen“, zitiert ihn die staatliche Nachrichtenagentur „Irna“. Die Führung werde „im Interesse der iranischen Nation“ handeln, sagte er und verwies auf das „Recht zur friedlichen Nutzung der Kernenergie“. Chamenei bezeichnete Atomwaffen als einen Verstoß gegen islamische Werte.

In Bezug auf das Drohpotenzial des Iran im Zusammenhang mit einem möglichen Stopp der Öllieferungen geht der Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik, Volker Perthes, davon aus, dass das Land die Option „nur für ein paar Monate hätte“. Würde der Stopp sich über einen längeren Zeitraum hinziehen, würden die fehlenden Einnahmen dem Regime vermutlich selbst ökonomisch das Genick brechen.

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