Teheran : Hohe Wahlbeteiligung bei Stichwahl im Iran

Bei der ersten Präsidenten-Stichwahl in der Geschichte der Islamischen Republik Iran zeichnet sich eine rege Beteiligung ab. Augenzeugen berichteten am Freitag von Schlangen vor den Wahllokalen in fast allen Stadtteilen Teherans.

Teheran (24.05.2005, 17:17 Uhr) - Beobachter erwarteten ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem als gemäßigt geltenden Ex-Staatspräsident Akbar Haschemi Rafsandschani (70) und dem erzkonservativen Teheraner Bürgermeister Mahmud Ahmadi- Nedschad (48). Erste Ergebnisse werden für Samstag früh erwartet.

Vor allem Iraner, die die erste Runde vor einer Woche boykottiert hatten, wollten diesmal nach Angaben von Beobachtern ihre Stimme abgeben, um einen Sieg Ahmadi-Nedschads zu verhindern - auch wenn sie nicht wirklich für Rafsandschani seien. Sie fürchteten, dass der populistische Politiker ein System wie einst die radikalislamischen afghanischen Taliban einführen will. «Ich weiß nicht einmal, wer was in der iranischen Politik macht. Ich weiß nur, dass dieser Ahmadi- Nedschad Ärger bedeutet und ich etwas dagegen unternehmen muss», sagte ein 32-jähriger Computerhändler.

Als einer der ersten gab der oberste religiöse Führer Ajatollah Ali Chamenei seine Stimme ab. Er rief zu einer regen Wahlbeteiligung auf. Ein mit hohem Stimmanteil gewählter Präsident werde für das Ansehen des ganzen Landes gut sein. Der Religionsführer, der nach der Verfassung über dem Präsidenten steht, betonte, er werde den Wahlsieger auf jeden Fall unterstützen.

Rafsandschani, der bereits von 1989 bis 1997 Staatsoberhaupt war, hatte im ersten Wahlgang 21,2 Prozent der Stimmen erhalten. Ahmadi- Nedschad, war in der ersten Runde überraschend auf 19,1 Prozent der Stimmen gekommen. Wie auch Rafsandschani gab Ahmadi- Nedschad seine Stimme bereits am Vormittag ab. Der populistische Politiker reihte sich dabei in eine lange Schlange vor seinem Wahllokal in einer Moschee ein.

Im Gegensatz zum ersten Wahlgang braucht der Gewinner der Stichwahl nur eine einfache Mehrheit. Die 40 000 Wahllokale sollten bis 16.30 MESZ geöffnet bleiben. Es wurde aber bei starkem Andrang eine Verlängerung der Öffnungszeiten bis erwartet. An der ersten Runde hatten sich nur etwa 63 Prozent der Wahlberechtigten beteiligt. (tso)

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