Politik : Teheran im Visier

Bush lässt nach Verbindungen zwischen Iran und dem 11. September suchen

Malte Lehming[Washington]

Ist nun Iran an der Reihe? Seit vielen Monaten hatte US-Präsident George W. Bush keine so harten Worte für das Regime in Teheran parat wie jetzt. Seine Regierung, sagte er am Montag, werde weiter suchen, um herauszufinden, ob Iran in die Terroranschläge vom 11. September 2001 verwickelt war. „Ich habe schon immer meiner Besorgnis über Iran Ausdruck verliehen. Es ist eine totalitäre Gesellschaft, in der niemand seine Menschenrechte ausüben kann.“ Allerdings räumte Bush ein, dass die CIA bislang keine „direkte Verbindung“ zwischen Iran und den Anschlägen vom 11. September nachgewiesen hat.

Bushs Rhetorik mag markig klingen, Taten werden ihr wohl kaum folgen. Vielmehr musste der Präsident das Thema aufgreifen. Denn am Donnerstag wird der Abschlussbericht der Untersuchungskommission zum 11. September veröffentlicht. Viele Details daraus sind bereits durchgesickert. Brisant dürften die Passagen über Iran sein. Sie stellen die US-Regierung vor ein Dilemma. Erneut wird sie die Frage beantworten müssen, ob sie im Irak nicht den falschen Krieg geführt hat. Saddam Hussein unterhielt offenbar keine „operativen Beziehungen“ zu Al Qaida. Weitaus engere Bande zur Terrororganisation um Osama bin Laden hatten dagegen die Mullahs in Teheran. Iranische Grenzbeamte etwa sollen angewiesen worden sein, Al-Qaida-Mitglieder unbehelligt und ohne Stempel im Pass durchs Land reisen zu lassen. Mindestens zehn der Flugzeugentführer vom 11. September sollen so zwischen Ende 2000 und Februar 2001 zwischen Saudi-Arabien und den Terrorcamps in Afghanistan hin und her gependelt sein. Hinweise darauf, dass Teheran über die konkreten Attentatspläne der Terroristen informiert war, gibt es freilich nicht.

Dennoch: „Wir glauben, dass die aktiven Kontakte zwischen Iran und auch Pakistan zu Al Qaida weitaus zahlreicher waren als die des Irak“, sagt Thomas Kean, der Vorsitzende der Untersuchungskommission. Immer wieder hätten sich Bin-Laden-Vertreter und iranische Regierungsmitglieder getroffen, um Möglichkeiten einer Zusammenarbeit auszuloten. Einige Al-Qaida-Mitglieder seien in Lagern der Hisbollah im Libanon ausgebildet worden, die von Teheran unterstützt wird.

Für die US-Regierung sind diese Ergebnisse unangenehm. Dadurch wird auch offenkundig, dass sie keine konsistente Iranpolitik hat. Offiziell zählt das Land zur „Achse des Bösen“. Diplomatische Beziehungen gibt es seit Jahrzehnten nicht. Doch an Gewicht hat Iran durch den Irakkrieg erheblich gewonnen. Es ist zum Beispiel unmöglich, etwas im Irak zu beschließen, was nicht von Scheich Ali al-Sistani gutgeheißen wird, dem schiitischen Geistlichen, der einen engen Draht nach Teheran hat. Iran ist zur Schlüsselmacht zur Befriedung des Irak geworden. Das muss das Weiße Haus berücksichtigen.

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