Teheran : Noch mehr Angeklagte im Massen-Schauprozess in Iran

Der Massenprozess gegen mehr als 100 Oppositionelle und Demonstranten vor dem 15. Revolutionsgerichtshof in Teheran ist am Samstag nach einwöchiger Unterbrechung fortgesetzt worden. Unter den Angeklagten waren laut Berichten staatlicher Medien mehrere prominente Reformpolitiker, ein Mitarbeiter der britischen Botschaft sowie eine 24-jährige Französin.

Martin Gehlen

TeheranMit ihr auf der Anklagebank saß auch eine iranische Angestellte aus der Kulturabteilung der französischen Botschaft, die erst am Donnerstag verhaftet worden war. Die Opposition hatte das Massentribunal schon letzten Sonntag als „lächerlichen Schauprozess“ verurteilt. Noch nie zuvor seit Bestehen der Islamischen Revolution sind so viele hochrangige Politiker zusammen vor Gericht gestellt worden.

Die Angeklagten waren nicht die gleichen wie die Personen, die am vergangenen Samstag dem Richter vorgeführt worden waren. Unter ihnen befanden sich diesmal der bekannte iranische Journalist Ahmad Zeydabadi und der Reformpolitiker Ali Tajernia, Führungsmitglied der dem Ex-Präsidenten Mohammed Chatami nahe stehenden Islamischen Beteiligungsfront Iran. Ihnen wird vorgeworfen, sie hätten die Unruhen geschürt und versucht, das System zu stürzen.

Die 24-jährige Französin Clotilde Reiss war am 1. Juli bei der Ausreise am Flughafen Teheran festgenommen worden. Sie hatte zuvor an der Universität Isfahan fünf Monate Französisch gelehrt. Ihr wird Spionage vorgeworfen, weil sie einige Handyfotos von Protesten über das Internet an eine Freundin in Teheran geschickt haben soll. Vor Gericht entschuldigte sich die junge Frau nach Angaben der Nachrichtenagentur Irna dafür. Sie habe für die Kulturabteilung der französischen Botschaft einen kurzen, eine Seite langen Bericht über Unruhen in Isfahan geschrieben. Das Pariser Außenministerium wies den Vorwurf der Spionage als völlig unbegründet zurück.

Empört reagierte auch das Außenamt in London. „Das ist völlig inakzeptabel und widerspricht direkt den Zusagen, die uns ranghohe iranische Vertreter mehrfach gegeben hatten“, hieß es in einer Erklärung. Der Botschafter in Teheran werde sich umgehend um eine Klärung des Sachverhalts bemühen. Dann werde entschieden, wie man auf diesen neuen Skandal reagierte, erklärte die britische Regierung. Dem britischen Botschaftsmitarbeiter Hossein Rassam werden Spionage und Handlungen gegen die nationale Sicherheit des Irans vorgeworfen. Er war zwischenzeitlich gegen eine Kaution von rund 80 000 Euro auf freien Fuß gesetzt worden. Er sagte vor Gericht aus, er habe von der britischen Botschaft den Auftrag erhalten, an den Demonstrationen teilzunehmen und alle Informationen nach London weiterzugeben.

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