Politik : Telekommunikation: Testfall Türkei - Corinna Visser über Deregulierung und die Telekom

Früher war alles ganz einfach: Da gab es nur einen Anbieter auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt, die Telekom. Dann haben die Deutschen sich für Wettbewerb entschieden. Freiwillig macht das kein Monopolist mit. Also braucht die Deregulierung einen Regulierer, der aufpasst, dass auch andere Anbieter eine Chance bekommen. Viele haben sie genutzt. 1900 Wettbewerber tummeln sich heute auf dem deutschen Markt. Im Jahr vier des Wettbewerbs stellt sich nun die Frage, ob es - gerade im Sinne des Wettbewerbs - nicht an der Zeit wäre, die Aufsicht des Regulierers einzuschränken. Die Aktionäre der Telekom stellen diese Frage immer lauter. Und Hauptaktionär der Deutschen Telekom ist immer noch der Bund. Bundesfinanzminister Hans Eichel ist der dramatische Kursverfall der T-Aktie ein Dorn im Auge. Doch wo soll die Rückführung der Regulierung beginnen? Ist es möglich, den deutschen Telekommunikationsmarkt in einzelne Teilmärkte zu zerlegen und so schrittweise ein freies Spiel der Kräfte zuzulassen? Bei den Auslandsverbindungen hat die Deutsche Telekom erheblich Marktanteile verloren. Für Ferngespräche in die Türkei hat der Regulierer jetzt die Telekom aus seiner Aufsicht entlassen. Das könnte freilich für die Telekom zur Falle werden. Je aggressiver und erfolgreicher sie in der Türkei sein wird, desto eher muss sie fürchten, wieder als der alte Monopolist dazustehen, der seine Marktmacht missbraucht. Doch zugleich muss die Telekom ihre Wettbewerbsfähigkeit beweisen, sonst bekommt sie noch mehr Ärger als bisher schon mit ihren Aktionären.

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