Terminservice für Kassenpatienten : Erfolgreich sabotiert

Die Ärzte behaupten, dass es die Terminvermittlungsstellen für Kassenpatienten nicht braucht - und sehen sich durch die Nutzerzahlen bestätigt. Doch das Gegenteil ist richtig. Ein Kommentar.

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Ohne Geduld geht nichts: Patienten im Wartezimmer. .
Ohne Geduld geht nichts: Patienten im Wartezimmer. .Foto: picture alliance / dpa

Die Ärztefunktionäre hatten das Projekt von Anfang an für unnötig erklärt. Nun präsentieren den scheinbaren Beleg dafür: In den ersten 100 Tagen haben die erzwungenen Terminservicestellen gesetzlich Versicherten etwas mehr als 31.000 Facharzttermine vermittelt. Angesichts von gut 550 Millionen Behandlungen im Jahr sei das ja wohl fast gar nichts. Sprich: Es gibt kein Problem für Kassenpatienten, die zeitnah einen Arzttermin benötigen. Alles nur politischer Aktionismus.

Lange Wartezeiten sind nicht Einbildung, sondern Realität

Leider liegen die Mediziner mit dieser Interpretation ziemlich daneben. Dass gesetzlich Versicherte viel länger als Privatpatienten und oft viel zu lang auf einen Termin beim Kardiologen, beim Orthopäden oder auf eine MRT-Untersuchung warten müssen, ist keine Einbildung, sondern erlebte Realität. Und dass das neue Druckmittel in den ersten drei Monaten bereits mehr als 31.000 mal in Anspruch genommen wurde, ist nicht wenig, sondern viel – es belegt seine Notwendigkeit.

Schließlich handelt es sich um Patienten, die sich nicht anders zu helfen wussten, als sich an eine Terminservicestelle zu wenden. Die nicht zum Zuge kamen, obwohl ihnen ihr Hausarzt per Überweisung medizinische Dringlichkeit bescheinigt hatte. Denen es in ihrer Not völlig egal war, bei welchem Facharzt sie landeten. Und die erst mal mitbekommen mussten, dass es eine solche Terminvermittlung überhaupt gibt und sie Anspruch darauf haben.

Die Funktionäre haben alles dafür getan, die Zahlen niedrig zu halten

Die Kassenärztlichen Vereinigungen jedenfalls haben alles dafür getan, die Zahlen niedrig zu halten. In Brandenburg beispielsweise waren die Terminhelfer - wie der Patientenbeauftragte der Regierung, Karl-Josef Laumann, kritisiert - gerade mal zwei Stunden am Tag telefonisch erreichbar. Man kann das auch Sabotage nennen.

Statt das Angebot schlechtzureden, sollten die Funktionäre lieber schleunigst sicherstellen, dass es auch flächendeckend funktioniert. Vielleicht benötigen sie dafür noch ein bisschen mehr politischen Druck.

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