Politik : Terror-Bekämpfung: Blair setzt sich an die Spitze der Allianz in Europa

Matthias Thibaut

Tony Blair hat die Welt zu einem "dramatischen Umdenken" bei der Bekämpfung des Terrorismus aufgerufen. In einer Dringlichkeitsdebatte des Unterhauses warnte er, internationale Terroristen würden auch vor dem Einsatz chemischer, biologischer oder nuklearer Waffen nicht zurückschrecken. "Der Zahl derer, die sie ermorden, sind Grenzen nicht durch die Moral, sondern nur durch Technik und Praktikabilität gesetzt". Nun müsse die internationale Verurteilung der Anschläge in Taten umgesetzt werden. "Wir müssen um die Toten trauern und handeln, um die Lebenden zu schützen".

Die Rede des Premier machte deutlich, dass Großbritannien an der Seite der USA eine führende Rolle beim Aufbau der neuen internationalen Allianz gegen den Terrorismus spielen will. Unmittelbar nach dem Bekanntwerden der Anschläge hatte Blair seine Teilnahme am britischen Gewerkschaftskongress abgebrochen und den USA unverzügliche Hilfe bei der Fahndung und Bestrafung der Täter zugesagt. Er telefonierte mit Bundeskanzler Schröder und fast allen anderen europäischen Regierungschefs und berief das nach dem Kommandobunker der Regierung "Cobra" benannte Kriegs- und Krisenkabinett ein - im Wissen, dass Großbritannien durch seine enge diplomatische und militärische Partnerschaft mit den USA - wie im Golfkrieg oder bei der Bombardierung Libyens 1986 - selbst Zielscheibe terroristischer Anschläge sein könnte.

In der Unterhausdebatte vermied Blair jeden Hinweis auf Einzelheiten unmittelbarer militärischer Aktionen, riet den Abgeordneten jedoch "wilden Spekulationen" nicht zu viel Glauben zu schenken. Gleich mehrfach warnte Blair vor weiteren Rückschritten im Nahostfriedensprozess. Verständnis für tiefergehende Motive der Terroristen, wie es einige linke Abgeordnete andeuteten, wies er aber ebenso entschieden zurück. Jeder habe das Recht, die amerikanische Lebensart abzulehnen, aber dies müsse auf eine demokratische Weise geschehen. Ausdrücklich begrüßte er die Verurteilung der Anschläge durch die britischen Moslems. "Zu unseren arabischen und moslemischen Freunden sage ich, weder ihr, noch der Islam ist dafür verantwortlich".

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