Politik : Terror-Fahndung: CIA ermittelt in Deutschland

Bei der Terror-Fahndung in Deutschland verdichten sich Hinweise auf einen direkten Kontakt der mutmaßlichen Täter aus Hamburg zu dem Terroristenführer bin Laden. Zudem haben US-Agenten offenbar den mutmaßlichen Attentäter Mohammed Atta im vorigen Jahr im Großraum Frankfurt (Main) observiert und ihn bei Beschaffung von Chemikalien beobachtet. Mit massiven Truppenbewegungen bereiten sich die USA auf ihre Offensive gegen den Terror vor. Weitere Luftwaffeneinheiten, Kampfflugzeuge und Kriegsschiffe wurden zum Persischen Golf beordert. Unterdessen wurden Warnungen vor neuen Anschlägen laut, nachdem die Polizei in zwei weiteren Flugzeugen am 11. September versteckte Messer gefunden hatte.

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Chronologie: Die Anschlagserie gegen die USA Es sei keine Frage des "Ob", sondern des "Wann", erklärte Senator Pat Roberts in Washington. Aus US-Regierungskreisen verlautete zudem, es werde an einem Bericht gearbeitet, der eine Verwicklung Osama bin Ladens in die Anschläge von New York und Washington belege. Bin Laden hält sich in Afghanistan auf. Die Beweise reichen US-Außenminister Powell zufolge aus, um bin Laden wegen der Anschläge vor ein US-Gericht zu stellen. Die Zahl der Toten und Vermissten in New York stieg nach Angaben vom Samstag auf 6818. In Deutschland demonstrierten am Samstag Tausende Menschen gegen einen drohenden Krieg.

Russlands Präsident Wladimir Putin erklärte in einem am Samstag ausgestrahlten WDR-TV-Interview, das Böse müsse bestraft werden, und "die Reaktion auf die Aggression, mit der die Vereinigten Staaten konfrontiert wurden, muss rasch sein". Er bekräftigte die Bereitschaft Russlands, mit den USA beim Kampf gegen den Terrorismus umfassend zusammenzuarbeiten. Am Abend telefonierte Putin nach offiziellen Angaben rund eine Stunde mit Präsident Bush.

Die Taliban meldeten am Samstag den Abschuss eines unbemannten Aufklärungsflugzeuges im Norden Afghanistans. Später verlautete inoffiziell aus Usbekistans Hauptstadt Taschkent, auf einem nahen Militärflughafen seien US-Aufklärungsflugzeuge gelandet. Unterdessen brachen die Vereinigten Arabischen Emirate die diplomatischen Beziehungen zu Afghanistan ab. Damit wird das Taliban-Regime nur noch von Pakistan und Saudi-Arabien als rechtmäßige afghanische Regierung anerkannt.

Als weitere Bundesländer nach Hamburg leiteten Berlin und Baden-Württemberg eine groß angelegte Rasterfahndung nach islamischen Terroristen ein. Das berichtet die "Berliner Morgenpost" unter Berufung auf Berliner Senatskreise. Mitarbeiter des Berliner Landeskriminalamtes überprüften in Meldestellen und an Hochschulen Daten von Studenten und anderen Personen aus 14 arabischen Ländern.

Außenminister Fischer (Grüne) erklärte gegenüber dem Tagesspiegel, der Angriff auf die USA werde weitreichende Konsequenzen haben für die Zukunft der internationalen Politik. Seine Kabinettskollegin Herta Däubler-Gmelin (SPD) verwies auf die Grenzen eines möglichen Vergeltungsschlags von USA und Nato. Die Maßnahmen müssten "gezielt und verhältnismäßig" sein, sagte sie dem Tagesspiegel. Den Einsatz der Bundeswehr im Inneren lehnte sie ab: "Diese Forderungen waren früher so wenig berechtigt wie heute". Dagegen hat sie gegen einen Fingerabdruck im Pass und eine Regelanfrage beim Verfassungsschutz für einreisende Ausländer keine Bedenken.

In den USA verdichten sich indes Hinweise darauf, dass bei dem koordinierten Terroristenangriff am 11. September weitere US-Flugzeuge entführt werden sollten. In zwei weiteren Flugzeugen seien Teppichmesser gefunden worden, wie sie die Entführer verwendeten, hieß es. Zwei der Messer seien zwischen den Sitzen einer Maschine gefunden worden, die aus Boston abfliegen sollte. Dort waren auch die beiden entführten Flugzeuge gestartet, die später in das World Trade Center rasten. Ein weiteres holten Fahnder aus dem Abfalleimer einer Maschine, die von Atlanta nach Brüssel fliegen sollte.

Unterdessen übernahm die pakistanische Marine die Kontrolle über die beiden Häfen des Landes. Wie die pakistanische Zeitung "The News" am Samstag berichtete, könnten die Krawalle in der großen Hafenstadt, bei denen am Freitag vier Menschen ums Leben kamen, von dieser Maßnahme ausgelöst worden sein. Die Zeitung verwies darauf, dass die Häfen den US-Streitkräften zur Verfügung gestellt werden könnten.

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