Terror-Gefahr : Taliban drohen mit Anschlägen in Deutschland

Propaganda-Offensive der Taliban in Deutschland: Ein Video zeigt 300 Kämpfer in einem Trainingscamp, die Selbstmordanschläge in Europa und den USA durchführen sollen.

Frank Jansen

Berlin - Die Taliban verschärfen ihre Propaganda gegen Deutschland. In einem Video drohen die afghanischen Rebellen mit Selbstmordanschlägen auf dem Gebiet der Bundesrepublik, der USA, Großbritanniens und Kanadas. Der Film zeigt die „Verabschiedung“ von 300 Kämpfern in einem Trainingscamp der Taliban. Dabei wird behauptet, es seien Gruppen eingewiesen worden, Selbstmordanschläge in Europa und den USA zu verüben. Zuvor wurden Deutschland, die USA, Großbritannien und Kanada als die Staaten genannt, die in Afghanistan als Kriegsparteien aktiv sind.

Deutsche Sicherheitsexperten sehen allerdings keine Anschlagsgefahr, „die noch höher ist als sowieso schon“. Es sei jedoch bemerkenswert, dass die Taliban die psychologische Kriegführung gegen Deutschland verstärkten. Das passe zu den verstärkten Angriffen auf die Bundeswehr im Norden Afghanistans. Bei einem Anschlag der Taliban starben im Mai drei deutsche Soldaten.

Bislang haben die Taliban in Europa und den USA keine Anschläge verübt. Als Urheber derartiger Attentate gilt hingegen Al Qaida, die mit den Taliban verbündet ist. Es sei zu vermuten, dass die in dem Video zu Selbstmordanschlägen angeleiteten Gruppen eher Al Qaida zuzurechnen sind, hieß es in Sicherheitskreisen. Sie halten es für unwahrscheinlich, dass die Taliban ihre Strategie ändern und nun auch Anschläge außerhalb ihrer bisherigen Operationsgebiete begehen. Unklar bleibe, wo das Video, über das der US-Sender ABC berichtete, aufgenommen wurde, sagten Experten. Möglich sei ein Standort in Afghanistan, aber es könne auch das pakistanische Grenzgebiet infrage kommen. Vor allem in der Provinz Wasiristan hat der pakistanische Staat kaum Autorität. In den dortigen Gebieten der paschtunischen Stämme werden zudem die Al-Qaida-Chefs Osama bin Laden und Aiman al Sawahiri vermutet.

Eine möglicherweise noch steigende Anschlagsgefahr sehen Sicherheitsexperten angesichts der Drohungen in dem Video für die USA und Großbritannien. Es sei zu befürchten, dass potenzielle Attentäter aus dem pakistanischen Umfeld in Großbritannien bei Taliban und Al Qaida ausgebildet werden, sagten deutsche Sicherheitsexperten. Vor zwei Jahren hatten britische Selbstmordattentäter, die aus pakistanischen Familien stammten, in London schwere Anschläge verübt.

In dem Video taucht auch der jüngere Bruder des kürzlich in Afghanistan getöteten Militärchefs der Taliban, Mullah Dadullah, auf. Mansur Dadullah wolle sich offenbar profilieren, hieß es in deutschen Sicherheitskreisen. Er habe aber noch nicht das Format seines älteren Bruders. Frank Jansen

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