Terror gegen Kricket-Stars : Angriff auf die Volkshelden – mitten in der Metropole

Ein Terrorkommando greift in Pakistan den Bus der srilankischen Kricket-Nationalmannschaft an und beweist damit, wie schwach der pakistanische Staat ist.

Christine Möllhoff[Neu-Delhi]
PAKISTAN
Ein Terrorkommando feuerte am helligten Tage mit Maschinengewehren auf den Bus der Kricket-Mannschaft aus Sri-Lanka. -Foro: AFP

„Wir wollen nur noch nach Hause“, sollen die srilankischen Kricketspieler nach der Attacke gesagt haben. Die Sportler waren gerade auf dem Weg zu einem Testspiel gegen den Gastgeber Pakistan im Gaddafi-Stadion, als maskierte Männer am Dienstag gegen neun Uhr morgens ihren Minibus mit Granaten und Schnellfeuergewehren attackieren. Fast 30 Minuten spielen sich bürgerkriegsähnliche Szenen ab – und das mitten im Herzen der ostpakistanischen Metropole Lahore, die bisher als relativ sicher galt.

Der Anschlag hat Schockwellen durch Südasien gesandt. Kricket ist hier Volkssport Nummer ein – und der Anschlag vergleichbar mit einer Terrorattacke auf eine europäische Fußballmannschaft. Sechs Kricketspieler und ein britischer Co-Trainer wurden verletzt, zwei angeblich durch Kugeln. Sechs Polizisten, die zur Eskorte gehörten, und zwei Zivilisten kamen ums Leben. Indiens Regierung warnte, der Terror könne auf Indien überspringen. Lahore liegt direkt an der Grenze.

Das spektakuläre Attentat zeigt, wie schwach der pakistanische Staat ist. Selbst in Millionenstädten scheint er immer weniger in der Lage zu sein, die Menschen zu schützen. Dabei war klar, dass die Kricketspieler ein Terrorziel ersten Ranges sind. Trotzdem gelang es den Terroristen, den Bus zu attackieren. Angeblich war er nicht einmal kugelsicher. Zwar entschuldigte sich Pakistans Sportminister. Doch die Terroristen konnten blutig zeigen, dass niemand mehr sicher ist.

Nach Angaben der Polizei eröffneten die zehn bis zwölf Attentäter mit Mörsern, Granatwerfern und Maschinengewehren das Feuer, zunächst schossen sie auf die Reifen, dann auf den Bus. Die Spieler warfen sich auf den Boden. Bisher bekannte sich niemand zu der Bluttat. Die Täter werden in radikal-islamischen Kreisen vermutet. Allerdings führt Sri Lanka selbst einen Bürgerkrieg gegen die Tamilen-Rebellen der LTTE. Sri Lankas Regierung beeilte sich zu erklären, die LTTE könne nicht hinter der Tat stecken. Die sri-lankische Mannschaft war für die indische Auswahl eingesprungen, die ihre Teilnahme an der Kricket-Tour nach der Terrorattacke auf Bombay Ende November 2008 zurückgezogen hatte. Auch Australien hatte aus Sicherheitsgründen abgesagt.

In der Nähe von Lahore in der Provinz Punjab hat die Gruppe Lashkar-e-Toiba ihren Sitz, die auch für die dreitägige Terrorattacke auf Bombay mit fast 200 Toten verantwortlich gemacht wird. Pakistanische Zuständige erklärten, der Anschlag gleiche dem Muster von Bombay. Die Terroristen scheinen zusehends zu Häuserkampf und Bürgerkriegstaktiken zu greifen.

Der Anschlag wirft ein alarmierendes Schlaglicht auf die Sicherheitslage in dem 160 Millionen Einwohner zählenden Land. Der Atomstaat erlebt eine „Afghanisierung“. Der Terror greift von den wilden Grenzregionen zu Afghanistan auf das „moderne“ Pakistan über. Lahore ist die Hauptstadt der Provinz Punjab, des wirtschaftlichen und politischen Zentrums Pakistans. Die Metropole mit ihren Einkaufszentren, Universitäten und Cafés galt lange als relativ sicher. In jüngster Zeit mehren sich auch dort Vorfälle. Anfang des Jahres hatten Extremisten eine Reihe von kleineren Bomben in Theatern gezündet, weil Theater ihnen als sündhaft gelten. Im vergangenen Jahr hatte es mehrere Bombenattentate gegeben.

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