Politik : Terror gegen Touristen

Die PKK-Splittergruppe Tak warnt Urlauber vor Reisen in die Türkei: Wir werden weiter zittern lassen

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Istanbul/Berlin - Im „Parlak-Restaurant“ von Antalya hofft man auf eine rasche Rückkehr des Alltags. Das Restaurant liegt in der Nähe jenes Platzes in der Innenstadt, auf dem am Montag drei Menschen bei der Explosion einer Bombe starben. „Na ja, direkt nach dem Anschlag kamen schon weniger Gäste“, sagt der Chef, Önder Yardimci. Stornierte Reservierungen habe es aber keine gegeben. „Alles läuft normal, es gibt keine Panik“, sagt Yardimci. „Das ist halt Terror.“

Der weltweite Terror der vergangenen Jahre hat die Urlauber abgehärtet. Es gibt jedoch starke Hinweise darauf, dass die Terrorgruppe „Freiheitsfalken Kurdistans“ (Tak), die sich am Dienstag auch zu dem Anschlag in Antalya bekannte, genau das einkalkuliert hat. Mit immer neuen Anschlägen will die Tak, ein Ableger der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), den Terror so allgegenwärtig machen, dass auch die gelassensten Urlauber aufgeben.

„Die Türkei ist kein sicheres Land“, erklärte die Tak. „Niemand soll in die Türkei kommen.“ Seit Jahresanfang verübte die Tak nach einer Zählung der prokurdischen Nachrichtenagentur ANF etwa 30 Anschläge, bei denen zwölf Menschen starben. Schon jetzt gebe es kein türkisches Feriengebiet, das nicht bereits durch Anschläge erschüttert worden sei, erklärte die Tak. „Wir werden diese Gebiete weiter erzittern lassen.“ Das sind offenbar keine leeren Drohungen. In Izmir wurde ein Bombenleger gestoppt, bevor er seinen Sprengsatz zünden konnte. Die Polizei stellte Plastiksprengstoff bei ihm sicher. Auch in Antalya nahm die Polizei am Dienstag einen Verdächtigen fest.

Trotz der Serie von Anschlägen in der Türkei sieht der Chef des Hamburger Verfassungsschutzes, Heino Vahldieck, derzeit keine Gefahr, dass der Terror auf Deutschland übergreift. „Da die Anschläge vor allem das Ziel haben, den Zustrom von Touristen zu kappen, brächte der PKK ein Attentat in Deutschland überhaupt nichts“, sagte Vahldieck dem Tagesspiegel. Ähnlich äußerten sich weitere Sicherheitsexperten. Laut Vahldieck ist bislang in den PKK-Milieus in Deutschland keine Debatte über gewaltsame Aktionen in der Bundesrepublik festzustellen. Sollte sich allerdings die PKK-Spitze, vor allem der in der Türkei inhaftierte Anführer Abdullah Öcalan, zu einem Kurswechsel entschließen, wären die PKK-Kader in Deutschland „sehr schnell zur Gewaltanwendung fähig“, warnte er.

Die beiden großen Reisekonzerne Tui (Robinson Club, Airtours, 1-2-Fly) und Thomas Cook (Neckermann, Bucher, Aldiana) bieten ihren Urlaubern an, kostenlos umzubuchen. Dies gilt für Buchungen bis Ende Oktober. Tui hat derzeit 25 000 Gäste in der Türkei, Thomas Cook 20 000. „Keiner unserer Gäste wurde bei den Anschlägen verletzt“, teilten die Konzerne mit. Bei Thomas Cook hieß es auch, noch habe kein Gast seinen Türkei-Urlaub vorzeitig abgebrochen.fan/sei/vis

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