• Terror gegen USA: Jeder Gegner der Demokratie ist ein Verbündeter. Terroristen in aller Welt halten die USA für den "großen Satan"

Politik : Terror gegen USA: Jeder Gegner der Demokratie ist ein Verbündeter. Terroristen in aller Welt halten die USA für den "großen Satan"

Frank Jansen

Mit dem Anschlag auf World Trade Center und Pentagon hat sich möglicherweise der Hass externer Fanatiker entladen, der den USA paradoxerweise noch stärker seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion entgegenschlägt. Zu terroristischen Aktionen mit weitreichenden Folgen scheinen aber nur nahöstliche, vor allem islamistische Gruppen in der Lage zu sein. Sie sind auch in der Bundesrepublik unterwegs: Ende vergangenen Jahres gelang es der Anti-Terroreinheit GSG 9, in Frankfurt/Main fünf Islamisten festzunehmen. Die Gruppe, zum Teil aus Algerien stammend, hatten einen Anschlag auf das Straßburger Münster geplant. Die Sicherheitsbehörden skizzierten denn auch am Dienstag zwei mögliche Szenarien: Nach den Anschlägen in den USA könnten Trittbrettfahrer aktiv werden - oder professionelle Terroristen die Serie der Attentate in Europa fortsetzen.

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Fotos: Der Anschlag auf das WTC und das Pentagon
Chronologie: Die Anschlagserie gegen die USA
Reaktionen: Weltweites Entsetzen
Hintergrund: Terrorangriffe auf Ziele der USA Der Hass konzentriert sich auf den "großen Satan", die USA - und den "kleinen Satan" Israel. So lautet zumindest die Propagandaformel islamistischer Gruppen. Doch in ihrer antisemitisch-antiamerikanischen Rethorik gleichen sich Fanatiker weltweit an. In Pamphleten palästinensischer Extremisten, ägyptischer Islamisten - denen der erste Anschlag auf das World Trade Center 1993 zugerechnet wird - sowie den Parolen links- und rechtsextremer Gruppen werden die USA und Israel kollektiv für die Globalisierung und andere "Verbrechen" verantwortlich gemacht.

Was sich da zusammengebraut hat, ist auch in Deutschland zu spüren. Jeder Gegner der liberal-kapitalistischen Demokratie nach amerikanischem Vorbild sei ein potenzieller Verbündeter, sagte beispielsweise 1998 NPD-Vorstandsmitglied Hans Günter Eisenecker. Der Anwalt erläuterte auch, wen er damit meint: Nordkorea, Castros Kuba, russische Nationalisten, islamische Fundamentalisten. Eisenecker und eine NPD-Delegation trafen sich sogar mit nordkoreanischen Diplomaten. Andere Rechtsextremisten gingen einen Schritt weiter: Anhänger des Neonazi-Anführers Michael Kühnen boten 1990 der irakischen Botschaft den Einsatz deutscher Söldner im Golfkrieg an. Wäre eine Einigung über den Sold zustande gekommen, hätten deutsche Neonazis in Kuwait gegen die Soldaten der von den USA angeführten Allianz gekämpft.

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