Terror geht weiter : Bomben-Anschläge in Nigeria: Drei Tote und viele Verletzte

20.01.2012 21:56 Uhr
  • Nach dem Angriff. Das Hauptquartier der Polizei in der nordnigerianischen Millionenstadt Kano ist weitgehend zerstört. Am 20. Januar griffen Anhänger der Islamistensekte Boko Haram 30 Polizeistationen gleichzeitig an. Dabei starben rund 200 Menschen. Foto: Reuters
    Nach dem Angriff. Das Hauptquartier der Polizei in der nordnigerianischen Millionenstadt Kano ist weitgehend zerstört. Am 20. Januar griffen Anhänger der Islamistensekte Boko Haram... - Foto: Reuters
  • Sieht so der Chef der Islamistensekte Boko Haram aus? Jedenfalls hat sich Abubakar Shekau mittlerweile zwei Mal in einem You-Tube-Video selbst als Anführer der Radikalen bezeichnet. Boko Haram bedeutet übersetzt "Westliche Bildung ist Sünde". Die zunächst kleine Sekte wurde im Jahr 2000 im nordöstlichen Bundesstaat Borno in der Stadt Maiduguri gegründet. Nachdem die Armee 2009 hunderte Anhänger der Sekte samt ihrem Anführer Mohammed Yusuf getötet hatte, galt sie als zerschlagen. Doch offensichtlich hat das die Anhänger von Boko Haram weiter radikalisiert und der Sekte neue Anhänger zugetrieben. Seit einem halben Jahr macht Boko Haram mit spektakulären Selbstmordattentaten vor allem auf Polizeistationen, an Weihnachten aber auch auf christliche Kirchen, auf sich aufmerksam. Foto: Reuters
    Sieht so der Chef der Islamistensekte Boko Haram aus? Jedenfalls hat sich Abubakar Shekau mittlerweile zwei Mal in einem You-Tube-Video selbst als Anführer der Radikalen... - Foto: Reuters
  • Eine Stadt in Trauer. Der Gouverneur der Provinz Kano, Rabiu Musa Kwankwaso (links), betet gemeinsam mit dem Emir von Kano, Ato Bayero, in der zentralen Moschee der Millionenstadt Kano für die Toten, die am 20. Januar bei 30 koordinierten Angriffen durch Boko-Haram-Anhänger getötet worden sind. Rabiu Musa Kwankwaso ist erst seit der Wahl im vergangenen Jahr Gouverneur. Er gilt als Hoffnungsträger, der in der Nordprovinz ernsthafte Reformen vorhat. Obwohl der erfolgreiche und deshalb auch wiedergewählte Gouverneur von Lagos im Süden des Landes, Babatunde Fashola, der Oppositionspartei angehört, hat Kwankwaso ihn direkt nach der Wahl besucht, um sich ein paar Ideen abzugucken. Lagos galt als komplett unregierbar, doch Fashola gelang es innerhalb kurzer Zeit ein gewisses Maß an Ordnung in die Stadt zu  bringen. In Lagos wird inzwischen regelmäßig der Müll abgeholt, außerdem führte er Busspuren ein, um den Verkehr in der Stadt flüssiger zu machen. Der Amtsantritt seines Kollegen aus Kano war allerdings weniger einfach. Während des Streiks gegen die Abschaffung der Benzinsubventionen Anfang Januar wurde sein Palast gestürmt. Die Polizei schoss in die Menge, vier Demonstranten starben. Foto: AFP
    Eine Stadt in Trauer. Der Gouverneur der Provinz Kano, Rabiu Musa Kwankwaso (links), betet gemeinsam mit dem Emir von Kano, Ato Bayero, in der zentralen Moschee der Millionenstadt... - Foto: AFP

Der Terror in Nigeria geht weiter. Diesmal hatten die Extremisten von Boko Haram gezielt Polizeistationen in der Stadt Kano im Visier. Mindestens drei Menschen starben, viele wurden verletzt.

Bei Bombenanschlägen in der nordnigerianischen Stadt Kano sind am Freitagnachmittag mindestens drei Menschen getötet und zahlreiche andere Menschen verletzt worden. Dies berichtete das nigerianische Fernsehen. Der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira sprach dagegen von sieben Toten. Die koordinierte Serie von Anschlägen auf das Polizeihauptquartier sowie andere Polizeistationen in der zweitgrößten Stadt Nigerias habe „Panik und Chaos“ ausgelöst, sagte der Leiter des örtlichen Katastrophenschutzes, Abu Gabriel. Die Behörden verhängten noch am frühen Abend eine 24stündige Ausgangssperre über die Millionenstadt.

Die radikalislamische Sekte Boko Haram bekannte sich dem nigerianischen Fernsehen zufolge zu den Anschlägen und bezeichnete sie als „Vergeltungsmaßnahmen“ nach jüngsten Verhaftungen von Mitgliedern der Terror-Organisation. „Es muss sehr viele Opfer gegeben haben, wenn man das Ausmaß des Anschlags gesehen hat“, sagte Bayo Adewumi, ein Augenzeuge der Attacken auf das Polizeihauptquartier. „Ich stehe noch immer unter Schock“, sagte er.

Seit langem leidet Nigeria unter Terroranschlägen der Islamisten, die ihre Basis im überwiegend islamischen Norden des bevölkerungsreichsten Staates in Afrika haben. In den Weihnachtstagen und Anfang Januar waren bei mehreren Bombenanschlägen und Überfällen auf christliche Kirchen im Norden Nigerias Dutzende von Menschen getötet und viele andere verletzt worden. Nigerias Präsident Goodluck Jonathan hatte vorübergehend den Ausnahmezustand über vier Regionen verhängt und die Grenzen zu Nachbarländern schließen lassen.

Vor drei Wochen hatten die Islamisten den Christen im überwiegend moslemischen Norden Nigerias ein Ultimatum gestellt. Sie sollten innerhalb von drei Tagen die Region verlassen. Die Boko Haram lehnt jeden westlichen Lebensstil und das Christentum strikt ab. Mindestens 10 000 Christen waren nach Angaben des Roten Kreuzes aus dem Norden geflohen. (dpa)

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