Politik : Terror im Kaukasus

14 Tote bei Doppelanschlag in Dagestan.

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Moskau - Der erste Sprengsatz ging in die Luft, als ein Selbstmordattentäter am Donnerstagabend von einem Kontrollposten in Machatschkala, der Hauptstadt der nordkaukasischen Teilrepublik Dagestan, überprüft wurde. Der zweite war in der Nähe des Kontrollpostens in einem parkenden Auto deponiert und wurde von einem weiteren Glaubenskrieger 15 Minuten später aktiviert, als Ordnungskräfte, Ambulanzen und Katastrophenschützer am Ort des Anschlags eintrafen. In den beiden Bomben befand sich 150 Kilogramm Sprengstoff. Entsprechend hoch sind die Opferzahlen: Mindestens 14 Tote und mehr als 120 Verletzte.

Es war der mit Abstand schlimmste Terroranschlag der letzten Monate im Nordkaukasus. Vermutlich wird es auch nicht der letzte bleiben. Seit nämlich Moskaus Statthalter Ramsan Kadyrow die benachbarte ehemalige Rebellen-Republik Tschetschenien mit eiserner Faust regiert, haben radikal-islamische Extremisten ihre Aktivitäten in die anderen nordkaukasischen Teilrepubliken verlagert. Vor allem in Krisenregionen wie Dagestan sind die Rebellen aktiv, die für die Unabhängigkeit von Moskau kämpfen. Im „Land der Berge“, das mit einer Fläche von 50 000 Quadratkilometern nur wenig größer als Baden-Württemberg ist, liefern sich über 100 Völker erbitterte Verteilungskämpfe um das knappe Acker- und Weideland. Seit dem Ende der Sowjetunion im Jahr 1991 ist auch noch ein Kampf um die ähnlich knappen Arbeitsplätze hinzugekommen.

Zwar pumpt Moskau Milliarden Rubel in die strukturschwache Region, um die Wirtschaft anzukurbeln und die sozialen Probleme zu entschärfen. Blühende Landschaften in Dagestan, glaubte der 2000 zum russischen Präsidenten gewählte Wladimir Putin, wären am besten geeignet, Tschetschenen und anderen potenziellen Ausreißern die Sehnsucht nach Eigenstaatlichkeit auszutreiben. Er scheiterte damit so grandios wie seine Vorgänger. Elke Windisch

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