Terror in Bombay : Stille nach dem Sturm

Das Drama in Bombay ist beendet, doch trotz aller Erleichterung ist die Angst noch immer da. Viele befürchten, dass die Attacke nicht der letzte Angriff auf ihr geliebtes Land war.

Andrea Röder[Bombay]
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Eltern trauern um einen getöteten Sicherheitsbeamten in Bangalore -Foto: dpa

Als die Medien am Samstagmorgen vermeldeten, dass nun endlich auch der letzte Terrorist im Hotel Taj Mahal getötet sei, war ein deutliches Aufatmen in der Bevölkerung zu spüren. Damit war das 60 Stunden dauernde Schreckensszenario beendet. Vor dem Taj Mahal hielt am Samstag ein Inder ein Schild in den Nationalfarben seines Landes hoch, auf dem an die Einsatzkräfte gerichtet stand: „Wir sind stolz auf euch!“ In der Tat macht sich dieser Tage in der indischen Bevölkerung eine erstaunliche Bewunderung für die Nationalgarde, Armee und selbst für die sonst als korrupt verschriene Polizei breit. Die „Heldenstimmung“ wurde noch stärker spürbar, nachdem am Samstag Meldungen aufkamen, die Terroristen hätten ursprünglich geplant, das Taj Mahal mit 15 Kilogramm hoch explosivem Sprengstoff dem Erdboden gleich zu machen.

Erleichterung und Hoffnung hielten sich in Bombay allerdings nur für kurze Zeit. Wenig später übernahmen Angst und Anspannung wieder das Steuer. Auch wenn der Verkehr auf Bombays Straßen in weiten Teilen wieder zunahm und sich mehr Menschen aus den Häusern trauten, war diese sonst so quirlige Metropole am Samstag noch weit von einem Normalzustand entfernt.

Sind wirklich alle Angreifer bis auf einen getötet worden? Wo befinden sich die angeblich flüchtigen Terroristen? Wurden sie mittlerweile gefasst, konnten sie sich absetzen oder halten sie sich noch immer in Bombay auf? Und falls ja, werden sie erneut zuschlagen? Bange Fragen spuken in den Köpfen der Einwohner und viele befürchten, dass dies nicht der letzte Angriff auf ihre geliebte Stadt war. „Wir haben in den vergangenen Jahren schon mehrere Anschläge erlebt, aber jedes Mal sind die Terroristen mit mehr Waffen wieder gekommen“, sagt eine Deutsche, die seit vielen Jahren in Bombay lebt, mit besorgter Miene. Ein Grund, ihre Zelte hier abzubrechen, sei dies jedoch nicht. Sie will bleiben, trotz allem. Eine Haltung, die unter den in Indien lebenden Deutschen weit verbreitet zu sein scheint.

Mit einem Flugzeug der französischen Regierung wurden unterdessen ausländische Touristen ausgeflogen. Am Samstag trafen 77 Überlebende der Terroranschläge in Paris ein. Das französische Außenministerium erklärte, in dem Airbus A310 hätten 29 Franzosen, 19 Italiener und fünf Deutsche gesessen, außerdem Bürger aus Spanien, Polen, Kasachstan, Griechenland, den Niederlanden, dem Kongo, der Schweiz und Algerien. Auch zwei Europa-Abgeordnete seien an Bord gewesen. Der Sonderflug war am Freitag mit Ärzten und Konsularmitarbeitern in Bombay gelandet. Ziel war es, Menschen zu helfen, die während der Anschlagswelle ihre Ausweise verloren hatten.

In Bombay fanden am Samstag derweil die ersten Bestattungen von lokalen Anschlagsopfern statt. Nach indischem Brauch ist es üblich, einen Leichnam zu Hause für die rituelle Verbrennung vorzubereiten. Der Körper wird gewaschen, gesalbt, Gebete werden gesprochen, enge Familienmitglieder und Freunde nehmen Abschied. Nicht so im Fall einer Familie in der Napeansea Road. Am Freitagabend erhielten die noch immer verzweifelt hoffenden Angehörigen Gewissheit: Die Tochter und ihr frisch angetrauter Ehemann sind im Hotel Oberoi erschossen worden, und zwar bereits in der ersten Nacht der Anschläge. Aufgrund der Verletzungen, aber auch des warmfeuchten Klimas waren ihre Körper schlimm zugerichtet und wurden von Polizisten in Begleitung der Familie direkt zum Krematorium gebracht. Richtig Abschied nehmen konnten die trauernden Angehörigen nicht.

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