Terror in Europa : Anschlag auf Berliner Hauptbahnhof geplant?

Kurzfristig hatte in Frankreich eine Geiselnahme Angst vor neuem Terror geweckt. In Niger werden bei Protesten gegen die Mohammed-Karikaturen mehrere Menschen getötet. Und in Deutschland haben die Sicherheitsbehörden Hinweise auf Anschläge erhalten.

Die Sicherheitsbehörden haben Hinweise auf mögliche Anschläge auf den Berliner Hauptbahnhof erhalten.
Die Sicherheitsbehörden haben Hinweise auf mögliche Anschläge auf den Berliner Hauptbahnhof erhalten.Foto: imago

Der Terror in Europa: In Paris sind mehrere Personen in Polizeigewahrsam, weil sie die Brüder Said und Cherif Kouachi bei den Vorbereitungen des Attentats auf "Charlie Hebdo" unterstützt haben sollen. In Berlin waren bei einem Einsatz in der Salafisten-Szene rund 250 Polizisten im Einsatz. Wir haben die Ereignisse für Sie am Freitag live begleitet.

22:15 Uhr: Ausschreitungen nach Freitagsgebeten

Die Wut über die Mohammed-Karikatur in der jüngsten "Charlie Hebdo"-Ausgabe hat sich nach den Freitagsgebeten vielfach in Gewalt entladen. Im pakistanischen Karachi wurden drei Menschen verletzt, darunter ein AFP-Fotograf, dem in den Rücken geschossen wurde. Die Polizei ging mit Wasserwerfern und Tränengas gegen Mitglieder der muslimischen Jamaat-e-Islami-Partei vor, die vor dem französischen Konsulat demonstrierten. Ein Zweig der pakistanischen Taliban, die Jamat-ul-Ahrar, feierte die beiden Attentäter von Paris. Sie hätten "die Erde von schmierigen Gotteslästerern befreit".

In Dakar und in Mauretanien steckten erboste Muslime französische Flaggen in Brand. Einen der größten Proteste gegen "Charlie" gab es in Jordanien. 2500 Demonstranten zogen nach dem Freitagsgebet durch die Hauptstadt Amman. "Die Beleidigung des Propheten ist globaler Terrorismus", stand auf einem Plakat. In Algier zogen ebenfalls bis zu 3000 Menschen unter dem Ruf "Wir sind alle Mohammed" durch die Gassen.

Auf dem Jerusalemer Tempelberg versammelten sich hunderte Muslime. In der Menge waren auch Fahnen der radikalislamischen Hamas zu sehen. "Franzosen, Bande von Feiglingen", riefen einige Demonstranten.

In Baddawi, einem Vorort der libanesischen Stadt Tripoli, rief der Imam: "Möge Gott die Zeitung und ihre Unterstützer bestrafen." In der Moschee El-Fath in Tunis riefen Gläubige, die "Charlie"-Zeichner "verdienten den Tod, weil sie unseren Propheten oft beleidigt haben".

Im türkischen Istanbul versammelten sich rund hundert Menschen zum Gedenken an die Attentäter Chérif und Said Kouachi. Eine radikale Bruderschaft hatte dazu aufgerufen. Porträts der Brüder und des getöteten Chefs des Terrornetzwerks Al-Kaida, Osama bin Laden, wurden hochgehalten. Auf Plakaten stand: "Wir sind alle Kouachi." Die US-Regierung verurteilte die Ausschreitungen. Alle Seiten müssten auf Gewalt verzichten, sagte Außenamtssprecher Jeffrey Rathke in Washington. "Kein journalistisches Handeln, so verletzend es in den Augen mancher auch sei, rechtfertigt Gewalt", fügte er hinzu.

21:00 Uhr: Mindestens vier Tote bei Protesten gegen "Charlie Hebdo" in Niger

Bei Protesten gegen die Mohammed-Karikatur der jüngsten "Charlie Hebdo"-Ausgabe sind im westafrikanischen Niger am Freitag mindestens vier Menschen getötet worden. Mindestens 45 weitere Menschen seien in Zinder, der zweitgrößten Stadt des Landes, verletzt worden, teilte das Innenministerium mit. In der Stadt waren Proteste gegen die Karikatur des Propheten zuvor in Gewalt umgeschlagen, das französische Kulturzentrum ging in Flammen auf.

18:20 Uhr: Hinweise auf islamistische Anschläge in Berlin und Dresden

Die Sicherheitsbehörden haben Hinweise auf islamistische Anschläge auf die Hauptbahnhöfe in Berlin und Dresden erhalten. Entsprechende Informationen des Nachrichtenmagazins “Der Spiegel“ bestätigten Sicherheitskreise am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. Aus einer Quelle hieß es zudem, auch die wöchentlichen Pegida-Demonstrationen gälten als gefährdet. Extremisten gehe es heute um Anschläge ohne großen Aufwand, ohne lange Vorbereitungszeit und unter größtmöglicher Aufmerksamkeit, hieß es in den Kreisen.

Der “Spiegel“ berichtete, mehrere ausländische Nachrichtendienste hätten übereinstimmende Meldungen an die deutschen Behörden weitergeleitet, in denen die Bahnhöfe in Berlin und Dresden als mutmaßliche Anschlagsziele genannt würden. Die Dienste hätten auch Kommunikationsinhalte internationaler Dschihadisten abgefangen. Diese hätten Anschläge auf die Aufmärsche der islamkritischen Pegida-Bewegung diskutiert. “Wir nehmen diese Hinweise sehr ernst“, zitiert das Magazin einen hochrangigen Sicherheitsbeamten. Die Polizeipräsenz an den Bahnhöfen in Großstädten sei verstärkt worden.

Das Bundesinnenministerium wollte die Meldungen aus Sicherheitskreisen weder bestätigen noch dementieren. Die Behörden erhielten nach den Anschlägen von Paris eine Vielzahl von Hinweisen aus unterschiedlichen Richtungen.

Darunter seien belastbare und weniger belastbare. Alle Hinweise würden sorgfältig bewertet. Ernstzunehmenden Anhaltspunkten werde mit Hochdruck nachgegangen. “Die deutschen Sicherheitsbehörden unternehmen alles, um die Bevölkerung wirksam zu schützen“, sagte Innenminister Thomas de Maiziere. Nicht jede Maßnahme sei zu sehen und werde öffentlich gemacht. “Die Lage ist ernst, es besteht Grund zur Sorge und Vorsorge, jedoch nicht zu Panik und Alarmismus“, sagte der Minister.

15:21 Uhr: Russische Medienaufsicht mag auch keine Mohammed-Karikaturen

Die russische Medienaufsicht hat vor der Veröffentlichung von Karikaturen des Propheten Mohammed wie in der französischen Satirezeitung "Charlie Hebdo" gewarnt. "Die Veröffentlichung solcher Karikaturen in russischen Medien verstößt gegen die ethischen und moralischen Normen, die in Jahrhunderten ausgearbeitet wurden", erklärte die Behörde Roskomnadsor am Freitag. Sie könnten überdies strafrechtlich geahndet werden.

"Die Verbreitung von Karikaturen zu religiösen Themen in Medien kann als beleidigend oder herabsetzend gegenüber Vertretern religiöser Konfessionen und Gruppen betrachtet und als Anstachelung zu ethnischem und religiösen Hass eingestuft werden." Außerdem könnten Mohammed-Karikaturen Verstöße gegen das Medienrecht und Anti-Extremismus-Gesetze darstellen. Die Aufsichtsbehörde rief die Medien des Landes auf, derartige Veröffentlichungen zu unterlassen.

In Russland ist die Bewertung des islamistischen Angriffs auf "Charlie Hebdo" in Paris umstritten, bei dem am Mittwoch vergangener Woche zwölf Menschen getötet wurden. Die Regierung in Moskau hatte Frankreich ihr Beileid ausgesprochen, Außenminister Sergej Lawrow nahm am Trauermarsch am Sonntag in Paris teil. Viele Kreml-treue Kommentatoren sowie russische Muslime warfen der Redaktion von "Charlie Hebdo" jedoch vor, die Gewalttat mit ihren Mohammed-Karikaturen provoziert zu haben. Für kommende Woche sind mehrere Protestzüge in Russland geplant, unter anderem im tschetschenischen Grosni.

Mehrere Unterstützer von "Charlie Hebdo" in Russland wurden bereits strafrechtlich verfolgt. Ein Moskauer Bezirksgericht verurteilte am Freitag den oppositionellen Aktivisten Mark Galperin zu acht Tagen Haft, weil er in der Nähe des Kremls ein Schild mit der Solidaritätsbekundung "Je suis Charlie" hochgehalten hatte. Der 75-jährige Wladimir Jonow musste wegen einer ähnlichen Aktion ein Bußgeld zahlen. Beide wurden für schuldig befunden, eine nicht genehmigte öffentliche Kundgebung veranstaltet zu haben.

14:44 Uhr: Geiselnahme nahe Paris endet unblutig

Die Geiselnahme in einem Postamt in einer Pariser Vorstadt ist ohne Verletzte oder Schlimmeres zu Ende gegangen. Nach Angaben aus Polizeikreisen wurde der Geiselnehmer am Freitagnachmittag festgenommen. Der bewaffnete Mann hatte sich zuvor mit zwei Geiseln im Postamt von Colombes nordwestlich von Paris verschanzt. Die Geiseln konnten den Polizeikreisen zufolge befreit werden.

Der Täter ist wegen gewöhnlicher Delikte polizeibekannt und soll am Telefon "zusammenhanglos" mit den Beamten gesprochen haben. Der Mann hatte behauptet, mit einer Kalaschnikow und Granaten bewaffnet zu sein, meldet die Nachrichtenagentur AFP.

Paris bleibt in höchster Terroralarmbereitschaft.
Paris bleibt in höchster Terroralarmbereitschaft.Foto: AFP

14:32 Uhr: Iranischer Ajatollah: Europa hat Angst vor Islam

Die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen zeigt nach Auffassung eines ranghohen iranischen Ajatollahs Angst in Europa vor dem Islam. "Den Propheten (Mohammed) zu beleidigen ist nicht Pressefreiheit, sondern eine Unverschämtheit und erfolgt aus Angst vor der Ausweitung des Islams in Europa", sagte Mowahdei Kermani beim Freitagsgebet in Teheran. Iran hatte den Terroranschlag auf das religionskritische Satiremagazin "Charlie Hebdo" verurteilt, aber auch die Veröffentlichung von Karikaturen des islamischen Propheten.

13:34 Uhr: Geiselnahme bei Paris

In einem Postamt bei Paris hat ein Mann am Freitag nach Medienberichten zwei Geiseln genommen, meldet die Nachrichtenagentur dpa. Der Bewaffnete verbarrikadierte sich nach den ersten Angaben der Polizei in dem Postamt von Colombes etwa zehn Kilometer nordwestlich von Paris. Ob die Geiselnahme im Zusammenhang mit der islamistischen Terrorwelle der vergangenen Woche steht, war unklar. Der französische Fernsehsender BFMTV berichtet unter Berufung auf Sicherheitskreise, dass die Geiselnahme keinen terroristischen Hintergrund habe. Franceinfo berichtet, dass es sich um eine Tat aus "enttäuschter Liebe" handeln soll.

13:18 Uhr: Auseinandersetzung über Beerdigung der Attentäter von "Charlie Hebdo"

Die Frage nach einer Beisetzung der "Charlie Hebdo"-Attentäter wird in Frankreich zum Problem. Der Bürgermeister von Reims sagte am Freitag, er werde eine mögliche Beisetzung der Islamisten Chérif und Said Kouachi in seiner Stadt mit allen Mitteln verhindern. "Ich will nicht, dass es in der Gemeinde eine Grabstätte gibt, die für Fanatiker ein Ort der Andacht, eine Pilgerstätte wird, oder ein Ort, an dem sich der Hass austoben kann", sagte der konservative Politiker Arnaud Robinet laut Nachrichtenagentur AFP.

"Sollte der Antrag gestellt werden, dann würde ich alles in meiner Macht stehende tun, um mich der Beisetzung eines dieser Individuen in Reims zu widersetzen", sagte Robinet weiter. Said Kouachi hatte die vergangenen zwei Jahre in der nordostfranzösischen Stadt gelebt. Sein jüngerer Bruder Chérif lebte zuletzt in Gennevilliers im Großraum Paris. Bislang haben weder die Behörden noch die Angehörigen Angaben darüber gemacht, wo die Brüder Kouachin und der dritte Attentäter Amédy Coulibaly beigesetzt werden sollen.

12:43 Uhr: Berliner Staatsanwalt: Festnahmen nicht im Zusammenhang mit "Charlie Hebdo"

Nachdem die Polizei in Berlin am frühen Freitagmorgen in einer großangelegten Razzia in der Salafisten-Szene zwei Männer festgenommen hat, bekräftigte der Berliner Generalstaatsanwaltschaft noch einmal, dass die Zugriffe mit den Anschlägen auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" und einen jüdischen Supermarkt in Frankreich nichts zu tun hätten. "Es gibt keinen Zusammenhang zu dem Attentat in Paris", sagte Sprecher Martin Steltner. Ermittelt werde seit Monaten, die Aktion sei länger geplant. Es gebe zudem keine Hinweise, dass die Islamisten Anschläge in Deutschland geplant haben könnten.

Die fünf Beschuldigten im Alter zwischen 31 und 44 Jahren gehörten den Ermittlungen zufolge zum Teil seit Jahren der gewaltbereiten Salafistenszene an. Im Zentrum steht der selbst ernannte "Emir" Ismet D., der eine Gruppe in Berlin-Tiergarten angeführt haben soll. Bei den Mitgliedern handele es sich um Türken sowie Russen, die aus Tschetschenien und Dagestan stammen. Der 41-Jährige soll die Gruppe mit Islamunterricht radikalisiert und auf den Dschihad in Syrien vorbereitet haben. Bei dem anderen Festgenommenen handelt es sich um den 43-jährigen Emin F., der für die Finanzen der Gruppen zuständig gewesen sein soll. Ihm und den anderen Verdächtigen wird vorgeworfen, dass sie nicht nur Mitglieder bei der Ausreise nach Syrien unterstützten, sondern auch viel Geld für schwere Gewalttaten zur Verfügung stellten. Behördensprecher Steltner zufolge wurden radikalisierte Personen aus der Zelle vermutlich sogar in den Dschihad begleitet.

12:25 Uhr: Großer Ansturm auf Verkaufsstellen von Charlie Hebdo" in London

Seit Freitag gibt es die neueste Ausgabe von "Charlie Hebdo" auch in London zu kaufen. Und wie der "Guardian" berichtet, haben sich bereits kurz nach Mitternacht die ersten Schlangen vor den den Geschäften gebildet, in denen das französische Satiremagazin üblicherweise zu kaufen ist. Etwa 200 Leute warteten am frühen Freitagmorgen allein vor einem französischen Buchladen in South Kensington. Da werden die insgesamt 1000 Exemplare wohl nicht reichen, die der britische Vertreiber geordert hat. In Deutschland kommt "Charlie Hebdo" am Samstag auf den Markt - mit vorerst 5000 Auflage.

Très francais: Während diese Menschen in London darauf warten, dass die Verkaufsstelle für "Charlie Hebdo" öffnet, bekommen sie Croissants verkauft.
Très francais: Während diese Menschen in London darauf warten, dass die Verkaufsstelle für "Charlie Hebdo" öffnet, bekommen sie...Foto: rtr

11:54 Uhr: Weitere Razzien auch im Großraum Brüssel

Bei dem Einsatz in Verviers hat die Polizei neben Kalaschnikow-Sturmgewehren auch mehrere Polizei-Uniformen bei den Verdächtigen gefunden, lässt die belgische Staatsanwaltschaft die Journalisten am Freitag wissen. Weitere Razzien habe es unter anderem im Großraum Brüssel in Molenbeek und Anderlecht gegeben. Die Polizei habe gefälschte Ausweise, Geld, Handfeuerwaffen und Sprengstoff gefunden. Bei den zwei weiteren Verdächtigen, die in Frankreich festgenommen worden sind (zusätzlich zu 13 Festnahmen in Belgien) handele es sich um belgische Staatsbürger.

11:29 Uhr: Staatsanwaltschaft: Terroristen planten Anschläge in ganz Belgien

Die belgische Staatsanwaltschaft gibt am Freitagvormittag eine Pressekonferenz zu dem massiven Anti-Terroreinsatz von Donnerstagabend in Verviers, bei dem zwei Männer getötet wurden. Es war eine der größten Anti-Terror-Operationen der belgischen Polizei. Der Zugriff in Verviers habe nicht im Zusammenhang mit den Festnahmen gestanden, die heute morgen in Berlin erfolgt seien, sagt einer der Staatsanwälte. Man habe sich für den Einsatz entschieden, weil die Terroristen nach Informationen der Polzei kurz davor standen, Anschläge auszuführen. Dabei sollen die Islamisten geplant haben, gezielt Polizisten anzugreifen. "Polizisten auf Streife und in ihren Gebäuden, und zwar in ganz Belgien", sagt der Staatsanwalt.

Die Identität der beiden Männer, die am Donnerstagabend bei den schweren Gefechten getötet worden sind, ist offenbar noch unklar. Zunächst hatte es geheißen, es handele sich bei ihnen um sogenannte Syrien-Rückkehrer. Insgesamt sind im Verlauf der Operation 13 Personen in Belgien und zwei weitere Personen in Frankreich festgenommen worden. Ob es dabei Verbindungen zur Terrororganisation Al Qaida oder zur belgischen Islamisten-Gruppe "Sharia4Belgium" gegeben habe, kann und will man zu diesem Zeitpunkt nicht sagen: "Es gibt Gründe dafür, warum wir ihnen hier nicht alles mitteilen können".

10:58 Uhr: Zwölf Festnahmen in Frankreich

Bei der Suche nach Komplizen der islamistischen Attentäter von Paris hat die Polizei in der Nacht auf Freitag nicht, wie zuvor berichtet, zehn, sondern zwölf Menschen festgenommen. Die Verdächtigen sollten hinsichtlich einer "möglichen logistischen Unterstützung" der Attentäter verhört werden, verlautete am Freitag aus Justizkreisen. Den Angaben zufolge könnten sie die Attentäter mit Waffen und Autos versorgt haben.

Bei den im Großraum Paris Festgenommenen handelt es sich demnach um neun Männer und drei Frauen, berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Mehrere Wohnungen in den Pariser Vorstädten Montrouge, Grigny, Fleury-Mérogis und Epinay-sur-Seine wurden durchsucht.

Durch DNA-Spuren und das Abhören von Telefonen im Umfeld der Attentäter Cherif und Said Kouachi sowie Amedy Coulibaly stießen die Sicherheitsbehörden auf mehrere Verdächtige, wie ein Polizist sagte. Diese wurden in den vergangenen Tagen beschattet. Die Polizei sucht auch das Auto von Coulibalys Lebensgefährtin Hayat Boumeddiene. Die junge Frau war schon vor den Anschlägen in die Türkei gereist und überquerte am 8. Januar - am Tag nach dem Anschlag auf "Charlie Hebdo" - die Grenze nach Syrien.

10:40 Uhr: Erstmal nur 5000 Hefte von Charlie Hebdo für Deutschland

Am Samstag wird die erste Ausgabe von "Charlie Hebdo" nach dem Attentat in der vergangenen Woche auch in Deutschland erscheinen. Und schon jetzt ist absolut absehbar, dass die Auflage im ersten Schritt der Nachfrage auch in Deutschland kaum gerecht werden dürfte. Gerade mal 5000 Exemplare würden ausgeliefert werden, das teilte der Medienkonzern Gruner + Jahr mit. Zwar habe der Presseimporteur Saarbach, der zu Gruner + Jahr gehört, deutlich mehr Exemplare beim französischen Verlag von "Charlie Hebdo" bestellt.

Doch weil bereits so viele Franzosen das Heft lesen wollen, wird es damit erst einmal nichts. Sowohl am ersten Erscheinungstag am Mittwoch, und dann auch nach den Nachlieferungen am Donnerstag war das Heft in Paris zum Teil nach Minuten ausverkauft gewesen. Jetzt sieht es so aus, als ob in Frankreich erneut Nachdrucke geplant sind. "Charlie Hebdo" hatte zuletzt eine "normale" Auflage von rund 60.000. Jetzt waren zunächst fünf Millionen Exemplare geplant gewesen.

10:12 Uhr: Der Urheber von "JeSuisCharlie" will Logo vor Kommerzialisierung schützen

Der Grafikdesigner Joachim Roncin, der das Logo "JeSuisCharlie" auf Twitter geprägt hat, will den kleinen Satz rechtlich schützen lassen, wie er der Nachrichtenagentur AFP in Paris sagte. Dadurch wolle er einen kommerziellen Missbrauch des Slogans verhindern, der ja eigentlich zum Symbol der Unterstützung für die Satirezeitung "Charlie Hebdo" wurde. Der 39-jährige sagte, er sei entsetzt, was mit seinem Satz passiert und wieviele Leute "daraus Geld schlagen wollen". Vor allem werde dadurch der Sinn das Slogans völlig entwertet.

Mehr dazu, wie Roncin gegen die Kommerzialisierung vorgehen will und wie er auf die Idee zu "JeSuisCharlie" kam, können Sie hier lesen.

09:57 Uhr: Belgien, eine Hochburg der Islamisten

Es müssen kriegsähnliche Szenen gewesen sein, die sich am vergangenen Donnerstagabend im belgischen Verviers, etwa 30 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, ihren Zugriff auf Islamisten startete. Offenbar eröffneten die Syrien-Heimkehrer sofort das Feuer aus Maschinengewehren, minutenlang sollen sich die Gefechte mit der Polizei hingezogen haben. Insgesamt sollen rund 400 belgischen Dschihadisten derzeit noch in Syrien und im Irak unterwegs sein. Im Verhältnis zu seinen insgesamt elf Millionen Einwohnern kommen aus Belgien damit die mit Abstand meisten "foreign fighters" aus Europa.

Mehr zu den Hintergründen der Islamisten in Belgien und dem Hassprediger Fouad Belkacem aus Antwerpen und seiner radikalislamische Organisation "Sharia4Belgium" lesen Sie hier.

09:34 Uhr: US-Außenminister John Kerry bedauert Fehlen beim Gedenken in Paris

Bei dem großen Solidaritätsmarsch für die Opfer der Anschläge auf "Charlie Hebdo" und einen koscheren Supermarkt in Paris waren auch viele Staatsoberhäupter und Regierungschefs vertreten. Die USA dagegen schickten nur ihre Botschafterin in Frankreich. Und das, obwohl sogar ein Kabinettsmitglied, Justizminister Eric Holder, in Paris weilte. Dass das wenig geschickt und taktvoll war, fiel Washington dann doch noch auf. Jetzt ist US-Außenminister John Kerry nach Paris gereist und hat um Verständnis für sein Fehlen beim Gedenken an die Opfer gebeten. Ihn hätten Verpflichtungen in Indien von der Teilnahme abgehalten.

08:11 Uhr: Mehrere Verdächtige in Paris in Gewahrsam

Im Großraum Paris sind in der Nacht zum Freitag rund zehn Verdächtige im Zusammenhang mit den islamistischen Anschlägen der vergangenen Woche befragt worden. Die Verdächtigen seien hinsichtlich einer möglichen logistischen Unterstützung der Attentäter verhört worden, hieß es aus Justizkreisen. Acht Menschen befinden sich laut Polizeikreisen in Gewahrsam, berichtet die Nachrichtenagentur AFP.

07:39 Uhr: Festnahmen in Berlin nach Razzia in Islamisten-Szene

In Berlin-Moabit sind am Freitagmorgen bei einer Razzia mit rund 250 Polizeibeamten nach Agenturberichten zwei Männer festgenommen worden. Die bereits seit mehreren Monaten geführten Ermittlungen richteten sich gegen fünf türkische Staatsangehörige, die der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat in Syrien und der Geldwäsche verdächtigt würden. Es lägen keine Anhaltspunkte vor, dass die Gruppierung Anschläge in Deutschland geplant habe, hieß es weiter.

Offenbar wurden elf Häuser durchsucht, auf Bildern ist auch eine Frau zu sehen, die von Beamten eines Sondereinsatzkommandos abgeführt wird. Nach Agenturberichten gehören die Beschuldigten teilweise seit Jahren zum gewaltbereiten salafistischen Spektrum und ließen eine ideologische Nähe zu terroristischen Organisationen wie dem IS sowie tschetschenischen Gruppierungen, die in Syrien kämpfen, erkennen.

Mehr zu den Verdächtigen und den Festnahmen in Berlin lesen Sie hier.

Die Bilder vom Zugriff: Terrorverdacht in Berlin-Moabit
Zugriff am frühen Morgen. Vermummte und schwer bewaffnete Polizisten sichern die Eingänge des Wohnhauses in der Perleberger Straße in Moabit.Alle Bilder anzeigen
1 von 5Foto: dpa
16.01.2015 08:30Zugriff am frühen Morgen. Vermummte und schwer bewaffnete Polizisten sichern die Eingänge des Wohnhauses in der Perleberger Straße...

07:05 Uhr: Jüdische Schule in Amsterdam bleibt geschlossen

Nach einem Anti-Terror-Einsatz in Belgien mit zwei Toten am Donnerstagabend bleibt auch die orthodox-jüdische Schule im holländischen Amsterdam am Freitag geschlossen. Es gebe aber keine konkrete Bedrohung, schrieb der Vorstand der Schule den Eltern und Lehrern in einer Mail, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. "Im Zusammenhang mit der Anti-Terroraktion in Belgien und nach weiteren Informationen aus Belgien hat der Vorstand entschieden, dass unsere Schule heute aus Sicherheitsgründen geschlossen ist." Die orthodox-jüdische Schule Cheider wird von etwa 200 Schülern aus dem ganzen Land besucht. Sie wurde nach Angaben von Lehrern in den vergangenen Jahren noch nie aus Sicherheitsgründen geschlossen. Auch jüdische Schulen in Belgien bleiben am Freitag zu.

06:39 Uhr: Belgien setzt Terrorwarnstufe nach oben

Belgien hat nach dem Anti-Terror-Einsatz die Terrorwarnstufe angehoben. Sie wurde von Stufe zwei auf drei heraufgesetzt, den zweithöchsten Rang. "Wir sind uns keiner spezifischen oder konkreten Bedrohung bewusst", sagte Ministerpräsident Charles Michel der Nachrichtenagentur Reuters in der Nacht zum Freitag. Allerdings sei eine größere Wachsamkeit und Vorsicht in dieser Situation nützlich. Bei dem Einsatz im Osten des Landes waren zwei mutmaßliche Islamisten von der Polizei erschossen worden. Der belgischen Staatsanwaltschaft zufolge hatten sie größere Anschläge geplant. (mit dpa/AFP/Reuters)

Unseren Liveticker vom Donnerstag zu den Geschehnissen im Zusammenhang mit dem Terror in Europa lesen Sie hier.

„Parteipolitik ist kein Ponyhof“

Acht Ideen gegen das Berliner Verwaltungschaos

Warum die BER-Eröffnung im Oktober 2020 klappen könnte

Eine Neuköllner Apotheke muss schließen - nach mehr als 100 Jahren

Harald Juhnkes Leben wird verfilmt

GroKo, Neuwahlen oder Minderheitsregierung? Erfahren Sie, wie es weitergeht - jetzt gratis Tagesspiegel lesen!

Autor

42 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben