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Terror in Frankreich : Innenministerium dementiert Festnahme

Das französische Innenministerium hat dementiert, dass der mutmaßliche Attentäter von Toulouse festgenommen worden ist. Das teilte ein Ministeriumssprecher am Mittwoch mit. Bei dem Bruder des mutmaßlichen Serientäters wurde Sprengstoff entdeckt.

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Der mutmaßliche Toulouse-Attentäter Mohamed Merah auf einem bereits bekannten Video. Neue Aufnahmen sollen seine Taten zeigen.Weitere Bilder anzeigen
Foto: dapd
26.03.2012 12:54Der mutmaßliche Toulouse-Attentäter Mohamed Merah auf einem bereits bekannten Video. Neue Aufnahmen sollen seine Taten zeigen.

Der französische Innenminister Claude Guéant hat Berichte über die Festnahme des mutmaßlichen Serienmörders Mohammed M. von Toulouse dementiert. Zuvor hatten der TV-Nachrichtensender BFM und das Magazin "Le Point" übereinstimmend berichtet, der Mann sei überwältigt worden. Er hat sich in einem Haus verschanzt und steht in Verdacht, in Toulouse und Umgebung sieben Menschen getötet zu haben. Mohammed M. war laut Innenminister Claude Guéant auch in Afghanistan und Pakistan. Der Verdächtige sei seit mehreren Jahren vom französischen Nachrichtendienst DCRI beobachtet worden, sagte Guéant nach Berichten des Figaro, aber "nichts habe darauf hingewiesen, dass eine kriminelle Aktion vorbereitet worden sei."

Die französische Polizei hat außerdem Sprengstoff im Auto des Bruders des mutmaßlichen Serien-Attentäters von Toulouse gefunden. Das verlautete am Mittwoch aus Polizeikreisen in der südwestfranzösischen Stadt, ohne dass zunächst Einzelheiten mitgeteilt wurden. Zuvor waren der Bruder, dessen Freundin und die Mutter des Verdächtigen in Polizeigewahrsam genommen worden. Er und sein Bruder sind Mitglieder einer islamistischen Gruppe in Toulouse.

Die Polizei bereitete sich am frühen Nachmittag offenbar auf einen Zugriff vor. Cedric Delage, der Regionalsekretär einer Polizeigewerkschaft, hatte erklärt, der Verdächtige habe zugesagt, sich bis 14.30 Uhr zu ergeben. Wenn das nicht geschehe, werde die Polizei mit Gewalt in das Haus eindringen und versuchen, den Mann festzunehmen. Hunderte Polizisten haben das Haus umstellt. Sie verhandelten seit Stunden mit dem mutmaßlichen Täter.

Die französischen Einsatzkräfte war es gelungen, den Kontakt zum mutmaßliche Serienmörder von Toulouse wieder aufzunehmen. Nachdem er stundenlang mit den Ermittlern durch die Tür gesprochen hatte, hatte er gegen Mittag plötzlich damit aufgehört, wie der französische Innenminister Claude Guéant mitteilte. Um 11 Uhr 30 haben Einsatzkräfte, das Gebäude zu evakuieren, berichten die Onlineseite von "Le Monde". Zuvor hatten die Bewohner mehr als acht Stunden in ihren Wohnungen ausharren müsse - in der Angst, im Haus befinde sich eventuell eine Bombe.

Präsident Nicolas Sarkozy hat derweil das "außerordentliche Engagement der Einsatzkräfte" gewürdigt. Nach der Trauerfeier für die Opfer von Montauban werde er sich nach Toulouse begeben. Der mutmaßliche Täter ist nach Angaben von Sarkozy identifiziert. Nach einer Unterredung mit Vertretern der jüdischen und muslimischen Glaubensgemeinschaften betonte er, es werde alles getan, damit er sich vor der Justiz verantwortet. Sarkozy betonte: "Der Terrorismus wird unsere nationale Gemeinschaft nicht zerbrechen." Er warnte vor Rachegedanken und einer Verquickung von Religion und Terrorismus.

Bilder von der Trauerfeier in Israel:

Frankreich trauert um die Opfer von Toulouse
25.03.2012: Schüler der jüdischen Ozar Hatorah-Schule trauern um ihre Mitschüler. Der radikalisierte Muslim Mohamed Merah hat sie vor einer Woche aus Hass gegen Juden erschossen.Weitere Bilder anzeigen
1 von 22Foto: Reuters
21.03.2012 09:5825.03.2012: Schüler der jüdischen Ozar Hatorah-Schule trauern um ihre Mitschüler. Der radikalisierte Muslim Mohamed Merah hat sie...

Der Verdächtige wollte sich nach Angaben Guéants am Nachmittag der Polizei ergeben. Guéant erklärte dem TV-Nachrichtensender BFM, der Mann habe einem Polizisten seine Absichten erklärt, nachdem er eine Waffe aus dem Fenster geworfen habe. "Er hat aber weitere Waffen, darunter eine Kalaschnikow, eine Uzi und diverse Feuerwaffen", sagte Guéant. Es sei der Mann, der die Taten begangen habe, die Justiz wolle ihn lebend festnehmen und vernehmen. Guéant: "Dieser Mann hat bereits mehrere Straftaten auf französischem Boden begangen, einige mit Gewalt (...) Er spricht viel, er ist dabei, seinen gesamten kriminellen Weg zu erzählen."

Es habe mehrere Festnahmen gegeben; darunter seien auch die beiden Schwestern und Brüder des Mannes sowie die Mutter. Einer der Brüder sympathisiere wie der Verdächtige mit den extremistischen Salafisten. Die Mutter sei von der Polizei an den Einsatzort gebracht worden, habe aber nicht Kontakt mit ihrem Sohn aufnehmen wollen.

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