Terror in Großbritannien : Beruhigung, aber keine Entwarnung

Großbritannien hat seine Terrorwarnstufe auf das zweithöchste Niveau "ernst" gesenkt. Premierminister Brown ordnete dennoch eine schärfere Terrorismus-Überprüfung von Ausländern an.

London Als Lehre aus den versuchten Autobombenanschlägen in London und Glasgow werden Arbeitssuchende aus terrorverdächtigen Ländern in Großbritannien künftig noch stärker kontrolliert. Das ordnete der neue Premierminister Gordon Brown an. Besonders streng müsse der staatliche Gesundheitsdienst NHS seine Kriterien für die Einstellung von Ausländern überprüfen, erklärte Brown im Unterhaus. Alle acht Verdächtigen, die seit Samstag nach den versuchten Attentaten festgenommen wurden, sind muslimische Ausländer, die als Ärzte oder medizinische Mitarbeiter beim NHS beschäftigt waren.

Brown will internationale Zusammenarbeit verstärken

Eine Woche nachdem Brown das Amt von seinem Vorgänger Tony Blair übernahm, kündigte er im Unterhaus auch eine Verstärkung der internationalen Zusammenarbeit beim Kampf gegen den Terrorismus an. Britische Geheimdienste würden dafür ihre Liste der weltweit "zu beobachtenden Personen" erweitern und Erkenntnisse über potenzielle Terroristen zur Warnung an andere Länder weitergeben. "Wir stehen dem Terrorismus stark, standhaft und vereint gegenüber", sagte der Regierungschef.

Nach der Festnahme der acht mutmaßlichen Terroristen gingen Ermittler laut Medienangaben davon aus, dass die unmittelbare Gefahr neuer Anschläge durch diese Gruppe gebannt ist. Die am Samstag ausgerufene höchste Terrorwarnstufe ("kritisch") wurde am Abend auf das zweithöchste Niveau ("ernst") gesenkt. Die höchste Stufe bedeutet, dass alle Sicherheitskräfte des Landes mit "unmittelbar bevorstehenden" Anschlägen zu rechnen haben. In jedem Fall sollen Großereignisse wie das "Live Earth"-Konzert im Wembley-Stadion und der Start der Tour de France in London am Samstag besonders geschützt werden.

Verdächtige waren Geheimdienst offenbar länger bekannt

Mindestens vier der acht festgenommenen Terrorverdächtigen sollen zuvor dem britischen Inlandsgeheimdienst MI5 bekannt gewesen sein. Sie seien bei früheren verdeckten Ermittlungen gegen mutmaßliche Terroristen aufgefallen. In einem von der Polizei nicht bestätigten Bericht der Zeitung "Daily Mail" hieß es weiter, den britischen Ermittlern lägen Erkenntnisse aus den USA vor, wonach einige der Attentatsplaner vor zwei Jahren von dem damaligen stellvertretenden Al-Qaida-Führer Abu Mussab al-Sarkawi rekrutiert worden seien.

Ein führendes Mitglied der Al Qaida soll einem anderen Zeitungsbericht zufolge schon fast drei Monate vor den versuchten Terrorattacken in London und Glasgow mit bevorstehenden Anschlägen in Großbritannien geprahlt haben. Der Mann habe einem im Irak tätigen britischen Geistlichen bei einem Treffen in Jordanien gesagt, "die, die euch heilen, werden euch töten", berichtete die "Times". Der anglikanische Geistliche Andrew White habe dies an das britische Außenministerium weitergegeben.

Die Zeitung will aus Sicherheitskreisen zudem erfahren haben, dass der festgenommene irakische Arzt Bilal Abdullah (27) und dessen schwer verletzter Komplize Khalid Ahmed nicht nur am Samstag das brennende Auto in den Flughafen Glasgow steuerten. Sie sollen auch auch die zwei mit Sprengsätzen bestückten Autos im Zentrum Londons platziert haben, die am Freitagmorgen entdeckt wurden.

Noch kein Auslieferungsantrag für Verdächtigen in Australien

Ein britischer Polizeioffizier wurde unterdessen in Australien erwartet, um den dort festgenommenen Mohammed Haneef zu verhören. Großbritannien hat bisher nicht die Auslieferung des Verdächtigen beantragt. Australiens Premierminister John Howard sagte dazu, bislang gebe es keine Anklage gegen Haneef, der ebenfalls in Großbritannien als Arzt gearbeitet hat.

Derweil gestanden in London drei junge Muslime mit Verbindungen zum Terrornetzwerk Al Qaida, über das Internet zu Selbstmordanschlägen aufgerufen zu haben. Die Männer im Alter von 21, 23 und 24 Jahren legten vor einem Richter entsprechende Geständnisse ab. Das Urteil soll am Donnerstag verkündet werden. (mit dpa)

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