Terror in Israel : Das Blutvergießen geht weiter

In Israel gibt es immer mehr Todesopfer durch Anschläge. Bürgerrechtler kritisieren unterdessen den Geheimdienst für dessen Verhörmethoden.

Rettungskräfte bergen eine israelische Polizistin in Jerusalem, die zuvor von Palästinensern mit einem Messer verletzt wurde. Foto: Atef Safadi/dpa
Rettungskräfte bergen eine israelische Polizistin in Jerusalem, die zuvor von Palästinensern mit einem Messer verletzt wurde.Foto: Atef Safadi/dpa

In Israel wurden nach Angaben des Inlandsgeheimdienstes im vergangenen Jahr 28 Menschen durch palästinensische Terroristen getötet. Diese Zahl sei so hoch wie zuletzt vor sieben Jahren, berichtete die israelische Zeitung „Haaretz“ am Mittwoch.

Unter den Opfern waren dem Geheimdienst Schin Bet zufolge zwei Ausländer, ein Palästinenser sowie drei Mitarbeiter von Sicherheitsdiensten. 2014 starben bei Anschlägen laut der Statistik 20 Menschen. Die neueste Anschlagsserie wird von vielen Medien als "Messer-Intifada" bezeichnet. Viele Angriffe finden spontan statt und werden mit Alltagsgegenständen wie Küchenmessern oder mit Autos durchgeführt. In Israel herrscht große Verunsicherung wegen der Anschläge.

Beteiligung israelischer Araber an Attentaten hat zugenommen

Die Zahl der Anschläge ging gegenüber 2014 laut Statistik insgesamt leicht zurück. Zugleich waren die Attacken schwerwiegender. Bei den Tätern handelte es sich den Angaben zufolge mehrheitlich um Jugendliche. Auffallend häufiger habe man Versuche der radikalislamischen Hamas verzeichnet, Anschläge im Westjordanland durchzuführen. Zugenommen habe auch die Beteiligung israelischer Araber an Terroranschlägen, allerdings auf weiter niedrigem Niveau.

Unverändert war 2015 die Zahl der Angriffe durch jüdische Extremisten. Sie lag wie im Vorjahr bei 16. Allerdings habe auch hier die Schwere der Taten zugenommen. Im Gazastreifen verzeichnete der Geheimdienst im vergangenen Jahr einen Rückgang des Beschusses israelischer Gebiete. 26 Raketenangriffe und drei Mörsergranaten seien die niedrigste Zahl des vergangenen Jahrzehnts.

Vorwurf von Bürgerrechtlern

Für seine Verhörmethoden steht der israelische Inlandsgeheimdienst Schin Bet massiv in der Kritik. Zwei israelische Bürgerrechtsorganisationen bezichtigen ihn in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht, Häftlinge bei Verhören regelmäßig zu misshandeln. Die Gruppen B'Tselem und Hamoked nennen als Methoden extremen Schlafentzug, schmerzhafte Fesselungen und anhaltende Erniedrigungen als übliche Methoden, Aussagen zu erzwingen. Sie vermuten, dass diese Praxis von Regierungsstellen gedeckt wird.

Palästinenser protestieren gegen die Inhaftierung eines palästinensischen Journalisten. Der Schin Bet wirft ihm Verstrickungen in terroristische Aktivitäten vor. Foto: Mohamad Torokman/Reuters
Palästinenser protestieren gegen die Inhaftierung eines palästinensischen Journalisten. Der Schin Bet wirft ihm Verstrickungen in...Foto: Mohamad Torokman/Reuters

Für den Report hatten die Menschenrechtsaktivisten 116 Palästinenser befragt, die 2013 und 2014 in einem Verhörzentrum des Schin Bet vernommen worden waren.

Diese dritte gemeinsame Untersuchung der beiden Gruppen bestätige die früheren Ergebnisse, heißt es in dem 70-seitigen Bericht "Gedeckt vom System". Deshalb liege "die Schlussfolgerung nahe, dass dieses Verhalten die offizielle Verhörstrategie widerspiegelt".

B'Tselem ist nicht unumstritten. Nichtregierungsorganisationen werfen der Gruppe vor, Berichte über palästinensische Todesopfer zu verfälschen. So würden Terroristen und arabische "Kombattanten", die Israelis angriffen, oftmals als zivile Opfer klassifiziert. Den Bürgerrechtlern wird eine Dämonisierung Israels vorgeworfen. B'Tselem bestreitet die Vorwürfe. In Israel wird immer wieder leidenschaftlich zwischen rechten und linken Gruppen gestritten.

Schin Bet: Bericht "irreführend und verzerrt"

Bei allen von den Bürgerrechtsaktivisten Befragten handele es sich um palästinensische Terrorverdächtige, erklärte der Schin Bet in einer Reaktion auf den jüngsten Bericht. In den vergangenen Monaten war dem Inlandsgeheimdienst allerdings auch von Anwälten ultranationalistischer Israelis vorgeworfen worden, auch bei ihren unter Anschlagsverdacht stehenden Mandanten in Vernehmungen ähnliche Methoden anzuwenden.

Der Schin Bet erklärte auf Anfrage vor der Veröffentlichung, die Angaben in dem Bericht seien "irreführend und verzerrt". Alle Verhöre würden "in Übereinstimmung mit dem Gesetz vorgenommen, um die Staatssicherheit zu bewahren". Der Geheimdienst unterliege dabei "permanenten Inspektionen durch interne und externe Aufsichtsorgane".

Am Mittwoch berichtete der Geheimdienst in einem Parlamentsausschuss, dass er im vergangenen Jahr 239 "erhebliche Anschläge" durch seine Vorfeldaufklärung habe verhindern können. Darunter seien 19 geplante Entführungen und zwölf Selbstmordattentate gewesen. Insgesamt seien im vergangenen Jahr 3100 Terrorverdächtige festgenommen worden. Von ihnen wurden 1933 unter Anklage gestellt. (KNA/AFP/Tsp)

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