Terror in Jemen : Anschlag auf britischen Botschafter

Tim Torlot, britischer Botschafter im Jemen ist am Montag nur knapp einem Terroranschlag entkommen. Ein Selbstmordattentäter sprengte sich vor dem Wagen des Diplomaten in die Luft. Drei Menschen wurden verletzt, Torlot blieb unversehrt.

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Der Ort des versuchten Attentats in Sanaa.
Der Ort des versuchten Attentats in Sanaa.Foto: AFP

Die beiden Fahrzeuge waren auf dem Weg zur hoch gesicherten britischen Botschaft, die im Osten der Hauptstadt Sanaa liegt. Plötzlich sprang ein junger Mann in beiger Schuluniform auf die Fahrbahn, wie Augenzeugen berichteten. Einen winzigen Moment zögerte der Attentäter, bevor er die Bombe an seinem Körper zündete. Die Wucht der Explosion verfehlte die gepanzerte Limousine des britischen Botschafters im Jemen - der 52-jährige Tim Torlot blieb unverletzt. Getroffen wurde das Begleitfahrzeug, zwei Polizisten seiner Eskorte und eine Passantin kamen mit leichten Wunden ins Krankenhaus – einzig der Attentäter starb.

Dieser Überraschungsangriff im morgendlichen Berufsverkehr zeigt, dass Al Qaida im Jemen auch nach den Razzien und Luftangriffen der letzten Zeit keineswegs besiegt ist. Die britische Botschaft bleibt die nächsten Tage geschlossen. Zuletzt hatten vor drei Monaten eine Reihe westlicher Vertretungen, darunter auch die Deutschen und Amerikaner, ihre Tore vorübergehend dicht gemacht, nachdem Fahnder bei einer Polizeiaktion Al-Qaida-Pläne für einen großen Überfall auf die britische Mission entdeckt hatten.

Seit dem Jahr 2000 ist Jemen immer wieder Schauplatz schwerer Terroranschläge. Damals starben bei einem Angriff auf den amerikanischen Zerstörer USS Cole im Hafen von Aden 17 Seeleute. Im Juli 2007 wurden acht spanische Touristen und zwei Reiseleiter in Marib durch ein Selbstmordattentat getötet. Ein Jahr danach versuchten zwei Kommandos, in die amerikanische Botschaft in Sanaa einzudringen - 16 Menschen starben, darunter alle sechs Attentäter sowie eine junge amerikanische Frau, die in der Mission etwas erledigen wollte. Im März 2009 sprengte sich ein 17-Jähriger auf einer Aussichtsplattform gegenüber der historischen Lehmstadt Shibam in die Luft und riss vier südkoreanische Touristen mit in den Tod. Letztes Weihnachten schließlich verhinderten beherzte Passagiere beim Anflug auf Detroit ein Attentat auf einen amerikanischen Airbus durch einen nigerianischen Sprachstudenten, der in Sanaa von Terrorwerbern präpariert worden war. Seitdem hat sich der internationale Druck auf das Land an der Spitze der arabischen Halbinsel stark erhöht, endlich konsequent gegen Al Qaida vorzugehen.

Jemens Präsident Saleh braucht die Gotteskrieger in seinem komplexen Machtspiel
Nach außen zumindest gibt sich die Regierung in Sanaa kooperativ und zuversichtlich. "Al Qaida wächst nicht mehr, sie hat die emotionale Unterstützung der Bevölkerung weitgehend verloren. Die Menschen haben kapiert, dass Al Qaida nur Zerstörung bedeutet", sagte Außenminister Abubaker Abdulla Al-Qirbi noch letzte Woche bei einem Treffen mit Journalisten. Ähnlich äußerte sich anschließend auch Vizepremier Rashad al-Alimi, der für die Sicherheit im Lande zuständig ist. Westliche Medienberichte nannte er "stark übertrieben" und verwies darauf, dass sein Land inzwischen eine 200-köpfige Anti-Terror-Einheit aufgebaut habe, die von amerikanischen und britischen Ausbildern trainiert werde. Wie viele Terroristen sind im Land versteckt halten, wollte er nicht sagen. "Aber ich vergewissere ihnen, von Al Qaida geht keine Gefahr für Ausländer aus" – angesichts des jüngsten Anschlags Worte von auffallend kurzer politischer Halbwertszeit.

Denn der Kampf gegen Terroristen gehört trotz aller offizieller Rhetorik nach wie vor nicht zu den politischen Prioritäten von Jemens Präsident Ali Abdullah Saleh. Seit über 30 Jahren an der Macht, braucht der Staatschef die Gotteskrieger weiter in seinem komplexen Machtspiel – nach innen und nach außen. Gegenüber dem Westen zieht er die Karte Al Qaida immer dann, wenn es gilt, weitere Finanzhilfen anzumahnen. In dem erbitterten Bürgerkrieg gegen die Houthis im Norden dagegen heuerte er zuletzt hunderte Gotteskrieger als Söldner an, um sie vor den Linien der Regierungstruppen einzusetzen. Als Gegenleistung konnten sich Anfang März Teile der Al-Qaida-Führung ungehindert über den jemenitischen Hafen von Mukalla nach Somalia absetzen. Von dort aus wollen sie in nächster Zeit die Terrorzellen auf der arabischen Halbinsel steuern, bis sich der ausländische Druck wieder gelegt hat.

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