Terror in London : Polizei nimmt Mann in Dover fest und führt Razzien durch

Nach dem Anschlag auf eine U-Bahn in London hat die Polizei einen 18-Jährigen festgenommen, die höchste Terrorwarnstufe bleibt bestehen.

Polizisten bei einer Razzia in Sunbury, Surrey in der Nähe von London.
Polizisten bei einer Razzia in Sunbury, Surrey in der Nähe von London.Foto: Chris J Ratcliffe /AFP

Bei der Fahndung nach den Hintermännern des Bombenanschlags in der Londoner U-Bahn hat die Polizei am Samstag am Hafen von Dover einen 18-Jährigen festgenommen. Wenige Stunden später durchsuchten Beamte ein Haus in der Nähe des Flughafen Heathrow. Das Gebäude sowie die umliegenden Häuser in der Ortschaft Sunbury wurden im Rahmen der Razzia evakuiert. Weitere Festnahmen gebe es zunächst nicht, teilte die Londoner Polizei über Twitter mit. Trotz der Fahndungserfolge würden die Ermittlungen fortgesetzt und die Bedrohungslage weiter als "kritisch" eingestuft. Die Beibehaltung der höchsten Terrorwarnstufe deutet darauf hin, dass die Behörden einen weiteren Anschlag befürchten.

Verdächtiger wird nach London gebracht

Der am Samstagmorgen in Dover aufgegriffene Mann bleibe zunächst auf der Polizeistation vor Ort in Gewahrsam und solle später nach London gebracht werden. "Das ist eine ausgesprochen bedeutsame Inhaftierung. Die Polizei hat sehr gute Fortschritte gemacht, aber der Einsatz dauert an", sagte Innenministerin Amber Rudd. Es gebe keine Zweifel mehr, dass bei dem Anschlag am Freitag ein selbstgebauter Sprengsatz verwendet worden sei. Der Die Bombe war Medienberichten zufolge mit einer Zeitschaltuhr verbunden. Auf Aufnahmen vom Tatort ist ein leicht verkohlter Plastikeimer zu sehen, aus dem Drähte ragen und der in einer Supermarkttüte auf dem Boden eines Waggons steht.

Soldaten im Einsatz

Zur Unterstützung der Polizei wurde am Samstag ein Großaufgebot an Soldaten eingesetzt. Das Militär soll an strategisch wichtigen Orten Wachdienste von Polizeibeamten übernehmen, sagte Premierministerin Theresa May in einer Fernsehansprache. Sie wurden etwa an Atomkraftwerken und Gebäuden des Verteidigungsministeriums aufgestellt. Zudem patrouillierten bewaffnete Polizisten in der Nähe von Regierungsgebäuden und Fußballstadien. "Das ist ein angemessener und vernünftiger Schritt, der für mehr Sicherheit und Schutz sorgen wird, während die Ermittlungen vorankommen", sagte May.

Die U-Bahn-Station Parsons Green war am Samstag wieder offen

In Großbritannien war die höchste Terrorwarnstufe ausgerufen worden, nachdem am Freitag mitten im Berufsverkehr eine Bombe in der U-Bahn an der Station Parsons Green im Westen der britischen Hauptstadt explodiert war. 30 Menschen wurden auf dem Weg ins Zentrum verletzt, niemand davon lebensbedrohlich. Ärzten zufolge erlitten einige Brandverletzungen, andere wurden beim Versuch zu entkommen niedergetrampelt. Todesopfer waren offenbar auch deshalb nicht zu beklagen, weil der selbst gebastelte Sprengsatz wohl nicht richtig zündete. Am Samstagmorgen wurde die Station Parsons Green wieder eröffnet.

Die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte den Anschlag über die ihr nahestehende Agentur Amak für sich. Belege legte sie dafür aber nicht vor. Der oberste britische Terrorismus-Bekämpfer Mark Rowley sagte, es sei üblich, dass sich der IS zu Attentaten bekenne, egal, ob er daran beteiligt sei oder nicht. Es war der fünfte Anschlag in diesem Jahr in Großbritannien. Die höchste Terrorwarnstufe war zuletzt im Mai nach einem Anschlag bei einem Popkonzert in Manchester ausgerufen wurden, bei dem 22 Menschen starben. (Reuters)

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