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Terror in Manchester : Deutsche Sicherheitskreise vermuten islamistischen Hintergrund

Ein Anschlag auf eine Konzerthalle kam für deutsche Behörden nicht überraschend. Einen entsprechenden Aufruf gab es im Mai in einem IS-Propagandamagazin. Der IS reklamiert die Tat für sich.

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Bewaffnete Polizisten am Morgen nach dem Anschlag im britischen Manchester. Foto: AFP
Bewaffnete Polizisten am Morgen nach dem Anschlag im britischen Manchester.Foto: AFP

Deutsche Sicherheitskreise vermuten bei dem Anschlag in Manchester einen islamistischen Hintergrund. Dafür spreche der „Tatmodus“, sagte ein hochrangiger Experte dem Tagesspiegel. Am Rande des Konzerts hatte sich nach bisherigen Erkenntnissen ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Ein weiteres Indiz für eine mutmaßliche islamistische Tat sei die aktuelle Propaganda der Terrormiliz „Islamischer Staat“, hieß es.

In der Ausgabe des Internetmagazin „Rumiyah“ vom Mai rufe der IS zu Anschlägen auf Konzerthallen von „Ungläubigen“ auf. Als Angriffsziele würden zudem Straßenfeste, Paraden und Fußgängerzonen genannt. „Das stachelt natürlich Leute an, die etwas machen wollen“, betonte der Experte.

IS bekennt sich zum Anschlag von Manchester

Am Dienstagnachmittag hat der IS den Anschlag in Manchester für sich reklamiert. Ein "Soldat" des Islamischen Staates habe eine Bombe in einer „Ansammlung von Kreuzfahrern“ platzieren können, meldete der IS am Dienstag. Der Angriff sei eine Rache und eine Antwort auf die Angriffe gegen Muslime. Er diene dazu, „die Ungläubigen“ zu terrorisieren. Zuvor hatte Großbritanniens Premierministerin Theresa May erklärt, es gebe keine Zweifel daran, dass der Anschlag ein Terrorangriff war.

Sicherheitskreisen zufolge ist der mutmaßliche Attentäter in einem Bekennervideo vermummt und spricht nur schlecht arabisch. Laut der Nachrichtenagentur AFP bekennt sich der IS über Amaq, ein Propaganda-Sprachrohr der Extremisten, zu dem Anschlag. Bei früheren Anschlägen bekannte sich der IS ebenfalls über Amaq zu den Taten.

Keine neue Sicherheitsbewertung für den Kirchentag

Für den Kirchentag in Berlin ergebe sich jedoch keine neue Sicherheitsbewertung, sagten Sicherheitskreise. Die Behörden gingen schon von der größtmöglichen Terrorgefahr aus, „größer geht nicht“. Konkrete Hinweise auf einen Anschlag auf Veranstaltungen des Kirchentags gebe es jedoch nicht.

In „Rumiyah“ werde Deutschland allerdings als Ziel von Attacken genannt. Der IS fordere zudem seine Anhänger auf, weitere Anschläge mit Lkw zu begehen, hieß es. Am 19. Dezember hatte in Berlin der IS-Sympathisant Anis Amri bei einem Anschlag mit einem gekaperten Truck zwölf Menschen getötet.

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