Terror in Nigeria : Amnesty bezichtigt Boko Haram schwerster Verbrechen

Der Angriff von Boko Haram auf die Stadt Baga im Norden Nigerias war nach Einschätzung von Amnesty International die bislang größte und schlimmste Attacke der Terrormiliz. Hunderte Menschen starben. Zeugen berichten von Gräueltaten. Satellitenbilder dokumentieren das Ausmaß der Zerstörung.

Menschen in Nigeria auf der Flucht vor dem Terror von Boko Haram
Menschen in Nigeria auf der Flucht vor dem Terror von Boko Haram

Bei dem Angriff der Terrormiliz Boko Haram auf Baga im Norden Nigerias sind nach neuen Analysen von Amnesty International Hunderte Menschen getötet worden. Satellitenbilder zeigten mehr als 3.700 beschädigte oder zerstörte Häuser, sagte Daniel Eyre, Nigeria-Experte der Menschenrechtsorganisation, dem britischen Sender BBC. Er rechne damit, dass die Zahl der Opfer von Baga und dem benachbarten Doron Baga die des bislang größten Massakers mit 600 Toten noch übertreffe. Die nigerianische Regierung sprach hingegen von rund 150 Getöteten; darunter seien auch „viele Terroristen“.

Eyre sagte, Baga und die Umgebung befänden sich seit Samstag unter der Kontrolle der Islamisten. Bis jetzt hätten geflohene Bewohner nicht einmal zurückkehren können, um die Toten zu bestatten. Die Einschätzungen von Amnesty fußen auf Aussagen von Überlebenden in Nigeria und im benachbarten Tschad sowie auf der Auswertung hochauflösender Satellitenaufnahmen.

Demnach sollen die Islamisten die gesamte Stadt Doron Baga in eine Trümmerwüste verwandelt haben. Es handle sich nicht nur um „die wahrscheinlich blutigste Attacke“ von Boko Haram, zum ersten Mal hätten die Milizen eine Stadt komplett zerstört, sagte Eyre. Amnesty sprach von der "größten und zerstörerischsten Attacke", die Boko Haram je ausgeführt habe. Die vorsätzlichen Tötungen von Zivilisten und die Zerstörung ihres Eigentums seien Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit und verlangten eine Untersuchung.

Viele Kinder massakriert

Nach Berichten von Überlebenden haben Boko-Haram-Kämpfer auf Bäumen und im Busch Fliehenden aufgelauert, um sie gezielt zu erschießen. Amnesty veröffentlichte mehrere Zeugenaussagen, die das brutale Vorgehen der Kämpfer dokumentierten. Ein Bewohner berichtete, dass eine Schwangere erschossen wurde, als sie gerade ihr Kind zur Welt brachte. "Das Baby, ein Junge, war schon halb geboren", sagte er, "in dieser Position ist sie gestorben". Auch seien viele Kinder von den Kämpfern getötet worden.

Ein rund 50-jähriger Zeuge erzählte, er habe allein in Baga hundert Tote gesehen. "Ich bin in den Busch gerannt", erzählte er Amnesty. "Und während wir rannten, haben sie weiter geschossen und gemordet." Ein anderer Bewohner versteckte sich erst drei Tage lang, dann floh er fünf Kilometer durch den Busch. Überall hätten Leichen gelegen, sagte er. Die Namen der Zeugen nannte Amnesty nicht.

Die Vereinten Nationen haben die Angriffe bereits verurteilt. Es seien „heimtückische, skrupellose Attacken gegen Zivilisten“ in Widerspruch zu internationalem Recht.

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