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Terror in Parsons Green : "Bedeutende Festnahme" nach Explosion in Londoner U-Bahn

In einem Zug der Londoner U-Bahn ist ein Sprengsatz detoniert, mindestens 29 Menschen wurden verletzt. Die britische Polizei hat am Samstag einen Verdächtigen festgenommen.

Polizei und Feuerwehr an der U-Bahn-Station Parsons Green in London
Polizei und Feuerwehr an der U-Bahn-Station Parsons Green in LondonFoto: AFP/Daniel Leal-Olivas

Bei einer Bombenexplosion in einem voll besetzten U-Bahn-Zug in London sind mindestens 29 Menschen verletzt worden. Sie erlitten überwiegend Verbrennungen und wurden ins Krankenhaus gebracht. Keins der Opfer war nach Angaben des Rettungsdienstes schwer oder lebensgefährlich verletzt. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" bekannte sich in einer im Internet veröffentlichten Erklärung zu der Tat. Nach dem Anschlag gilt jetzt die höchste Terrorwarnstufe in Großbritannien. Das sagte Premierministerin Theresa May am Freitagabend im BBC-Fernsehen. Die Warnstufe fünf bedeutet, dass die britischen Behörden einen unmittelbar bevorstehenden Terroranschlag für möglich halten.

Geheimdienst und Polizei fahnden nach den Tätern. Am Samstag gab Scotland Yard bekannt, dass ein Verdächtiger festgenommen worden sei. Die Polizei teilte mit, es sei eine "bedeutende Festnahme" gelungen. Auf der Website der Londoner Polizei hieß es, ein 18-Jähriger sei in der Hafengegend in Dover südlich von London festgenommen worden. Er soll zu einer Polizeistation in der britischen Hauptstadt gebracht werden.

Der Sprengsatz war am Freitagmorgen um 08.20 Uhr Ortszeit mitten im Berufsverkehr detoniert, wie der Chef der Anti-Terror-Abteilung der britischen Polizei, Mark Rowley, bekannt gab. Nach seinen Angaben war die Bombe selbst gebaut. Sie explodierte in der U-Bahn-Station Parsons Green im Südwesten Londons in einem Waggon. Augenzeugen sprachen von einem lauten Knall und einer „Feuerwand“, die sich in dem Waggon ausgebreitet habe.

Premierministerin Theresa May berief den nationalen Krisenstab ein. Außenminister Boris Johnson rief die Briten auf, Ruhe zu bewahren. Großbritannien war in diesem Jahr bereits mehrfach Ziel terroristischer Angriffe mit insgesamt 36 Todesopfern.

In sozialen Medien kursierten Bilder und Videos von einem weißen Eimer in einer Supermarkt-Tüte, der in dem Waggon eine kleine Explosion ausgelöst haben soll. Aus dem Eimer hingen Drähte. Nach BBC-Informationen wurde der Sprengsatz mit einer Zeitschaltuhr gezündet. Die Polizei bestätigte die Echtheit der Bilder zunächst nicht.

Dieses Bild aus den sozialen Netzwerken zeigt einen brennenden Behälter in der U-Bahn.
Dieses Bild aus den sozialen Netzwerken zeigt einen brennenden Behälter in der U-Bahn.Foto: AFP

Regierungschefin May erklärte: „Meine Gedanken sind bei denen, die in Parsons Green verletzt wurden und den Einsatzkräften, die - wieder einmal - rasch und mutig auf einen mutmaßlichen Terroranschlag reagieren.“ Bürgermeister Sadiq Khan verurteilte die Bluttat. „Unsere Stadt verurteilt die widerwärtigen Individuen, die mit Terror versuchen, uns zu schaden und unsere Lebensweise zu zerstören“, schrieb er.

Sollte sich sicher bestätigen, dass es ein Anschlag war, wäre es bereits der vierte in diesem Jahr in der britischen Hauptstadt und der fünfte in Großbritannien.

Die U-Bahn-Haltestelle wurde weiträumig abgesperrt. Im Fernsehen war ein großes Aufgebot an Rettungskräften und bewaffneter Polizei zu sehen. Die Feuerwehr teilte mit, sie sei mit 50 Mann im Einsatz. Die Menschen wurden aufgerufen, die Umgebung zu meiden. Der Zugverkehr wurde teilweise unterbrochen.

Augenzeugen berichteten von panikartigen Zuständen. Die Menschen seien aus der U-Bahn-Station nach unten auf die Straße gerannt. „Wir liefen die Treppen runter, und es hat sich angefühlt, als würden wir um unser Leben laufen“, sagte ein Mann namens Luke dem Sender BBC5. Eine Frau namens Emma schilderte: „Nach einer Weile stapelten sich die Menschen übereinander, weil einige beim Laufen hingefallen waren.“

Londons Bürgermeister Sadiq Khan sagte, die Stadt werde sich von Terror nicht einschüchtern lassen. Das habe London immer wieder bewiesen.

Der Präsident des Europaparlaments, Antonio Tajani, drückte den Opfern am Freitag sein Mitgefühl aus. „Terrorismus kennt keine Grenzen und wird besiegt, indem man zusammenarbeitet“, erklärte Tajani auf Twitter. Auch die Bundesregierung äußerte ihre Besorgnis. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte Großbritannien nach dem Anschlag ihre Unterstützung zu. Die Bundesregierung sei "geeint mit Großbritannien, mit der britischen Regierung, aber vor allen Dingen auch mit den Menschen", sagte sie in Berlin. Das Auswärtige Amt rief London-Reisende auf, "umsichtig zu sein und den Anweisungen der Sicherheitskräfte unbedingt Folge zu leisten".

US-Präsident Donald Trump rief zu einem härteren Vorgehen gegen Extremisten auf. Terroristen wie die in London seien Verlierer („loser“), twitterte Trump. In einem zweiten Tweet schrieb Trump, das Internet sei das wichtigste Rekrutierungswerkzeug der Terroristen: Dieses müsse „abgeschnitten und besser genutzt“ werden. Bei den Terroristen handle es sich um kranke und verrückte Leute, die die Polizei von Scotland Yard bereits im Auge gehabt habe. „Müssen proaktiv sein!“, schrieb Trump.

Im März war ein Attentäter auf der Londoner Westminster-Brücke mit einem Auto gezielt in Fußgänger gerast, bevor er einen Polizisten auf dem Gelände des Parlaments niederstach. Fünf Menschen starben.

Bei einem Bombenattentat auf die Besucher eines Konzerts in Manchester im Mai starben 22 Menschen. Acht Menschen verloren ihre Leben bei einem Angriff auf das Londoner Ausgehviertel Borough Market und die London-Bridge. Ein Mann kam bei einem Angriff auf Moscheebesucher Ende Juni in London ums Leben. (AFP, dpa)

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