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Terror in Südasien : Mehr als 70 Tote bei Anschlag auf Schrein in Pakistan

Ein Attentäter hat sich in Pakistan in einer Menge von Gläubigen in die Luft gesprengt. Der Anschlag auf einen Sufi-Schrein gehört zu einer neuen Gewaltwelle in den Land.

Der Schauplatz des Anschlags in Pakistan
Der Schauplatz des Anschlags in PakistanFoto: AFP/Yousuf Nagori

Nach einem der schwersten Selbstmordanschläge in der Geschichte Pakistans auf einen Schrein liberaler Sufi-Muslime ist die Zahl der Toten auf 75 gestiegen. Das sagte am Freitagmorgen ein Arzt am Krankenhaus nahe dem Schrein in der südpakistanischen Provinz Sindh, Moin Ahmed. Die Zahl der Todesopfer könne aber weiter zunehmen. Man habe 248 Verletzte registriert, und rund 50 von ihnen seien in sehr schlechter Verfassung. Am Donnerstagabend hatten Rettungshelfer mindestens 19 tote Kinder und mindestens zehn tote Frauen gezählt.
Ein Selbstmordattentäter hatte sich nach Polizeiangaben inmitten eines großen Schreins liberaler Sufi-Muslime in die Luft gesprengt. Bis zu 250 weitere Menschen seien verletzt worden, berichtete der Sender Geo TV am Donnerstag unter Berufung auf den Polizeichef der Provinz Sindh, Allahdino Khawaja. Der Polizeichef sprach von einem Selbstmordanschlag. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) reklamierte den Angriff für sich.

Zunächst rief ein IS-Kommandeur pakistanische Journalisten an, kurze Zeit darauf veröffentlichte das IS-Sprachrohr Amak eine schriftliche Stellungnahme. In der hieß es, ein Selbstmordattentäter des IS habe seine Sprengstoffweste inmitten einer schiitischen Menschenmenge in die Luft gesprengt.

Die sunnitische IS-Miliz ist früher bereits ähnlich vorgegangen. Manchmal haben allerdings auch andere Extremistengruppen die vom IS reklamierten Anschläge für sich beansprucht.

Laut pakistanischer Regierung hat der IS im Land keine Organisationsstruktur. In einer Erklärung der Armee hieß es, „feindliche Mächte“ ordneten Terroranschläge in Pakistan an, die dann von sicheren Häfen in Afghanistan aus durchgeführt würden.

Der bekannte, im 14. Jahrhundert erbaute Lal Shahbaz Qalandar-Schrein in Sehwan ist jede Woche ein Anziehungspunkt für Tausende Gläubige. Die Bombe soll während eines traditionellen Sufi-Tanzes im Hof des Schreins explodiert sein. Die Zeitung „Dawn“ berichtete, der Tempel sei donnerstags besonders gut besucht.

Der Ort des Anschlags in einem Archivbild von 2014
Der Ort des Anschlags in einem Archivbild von 2014Foto: AFP/Yousuf Nagori

Der Sufi-Zweig im Islam ist islamistischen Gruppen ein Dorn im Auge. Es gibt in Pakistan regelmäßig Anschläge auf Sufi-Stätten. Zuletzt waren im November bei einem Anschlag auf einen Schrein in Baluchistan mindestens 52 Menschen getötet worden.

Der Anschlag war der jüngste in einer ganzen Serie. Allein seit Montag sind nun mindestens 74 Menschen als Folge von Anschlägen getötet worden. Die meisten hat die Gruppe Jamaat ul-Ahrar für sich reklamiert. Sie kündigte weitere Anschläge an.

Nach zwei relativ ruhigen Jahren ist diese neue Gewaltwelle ein Schock für Pakistan. Nach massiven Militäroffensiven gegen Taliban und andere Terrorgruppen ab 2014 war die Zahl der Anschläge und ihrer Opfer in Pakistan für eine Weile stark zurückgegangen. (dpa)


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