Politik : „Terror ist unvereinbar mit Islam“

Ismailiten-Führer Aga Khan: Westen sollte uns besser verstehen / Fischer warnt Iran vor Atomrüstung

Martin Gehlen

Berlin - Außenminister Joschka Fischer hat Iran mit scharfen Worten aufgefordert, die geschlossenen Atomabkommen einzuhalten und sein Nuklearprogramm nicht für militärische Zwecke auszubauen. „Die internationale Gemeinschaft wird dies nicht akzeptieren“, sagte Fischer bei seiner Eröffnungsrede zur fünften Botschafterkonferenz im Auswärtigen Amt. Das dreitägige Treffen, zu dem rund 220 Botschafter, Generalkonsuln und Leiter ständiger Vertretungen bei internationalen Organisationen in Berlin zusammenkommen, steht in diesem Jahr unter dem Motto „Die Zukunft des Nahen und Mittleren Ostens – strategische Partnerschaft und Kooperation“. Wenn Iran die Fähigkeit erlange, hochangereichertes Uran zu produzieren, drohe ein nuklearer Wettlauf im Mittleren Osten, sagte Fischer. Das werde eine dramatische Verschlechterung der Sicherheitslage – auch für Europa – nach sich ziehen. Er appellierte darum an die Verantwortlichen in Teheran, keiner Fehleinschätzung der internationalen Entschlossenheit aufzusitzen, etwa wegen vermeintlicher Schwächen der USA im Irak.

Die USA und Europa müssten wieder einen „strategischen Konsens“ herstellen, erklärte Fischer. Im Nahen und Mittleren Osten seien die Krisen nicht gelöst worden, sie hätten sich eher zugespitzt. Um im Irak Stabilität und Sicherheit zu erreichen, sei Deutschland bereit, Polizisten und Soldaten außerhalb des irakischen Territoriums auszubilden. Die Entsendung von deutschen Truppen in den Irak jedoch schloss Fischer erneut aus.

Die Konferenz, an der als Ehrengast das Oberhaupt der muslimischen Glaubensgemeinschaft der Ismailiten, Aga Khan, teilnahm, begann mit einer Schweigeminute für die Opfer von Beslan. Fischer nannte den Terrorüberfall ein barbarisches Verbrechen. Die „besondere Perfidie“ des Anschlags werde dadurch deutlich, dass dazu ein erster Schultag ausgesucht worden sei.

Aga Khan verurteilte den Terrorüberfall als unvereinbar mit den Grundlagen des Islams. Zugleich wandte er sich gegen Vorwürfe, wonach sich die islamische Welt in der jüngsten Vergangenheit nicht deutlich genug vom islamistischen Terror distanziert habe. „Es gibt und gab deutliche Stimmen. Aber der Westen nimmt sie zu wenig wahr“, sagte er. Aga Khan wies westliche Vorstellungen zurück, Islam und Demokratie stünden im Widerspruch zueinander. Er empfahl dem Westen eindringlich, den Islam in seiner Vielschichtigkeit besser zu verstehen als bisher. Zu den größten Bedrohungen gehört nach seinen Worten neben Massenvernichtungswaffen, Aids und Klimawandel das Scheitern von Demokratie in fast 40 Prozent der Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen. Dieses Scheitern sei in einem Großteil der islamischen Länder, in Lateinamerika, Osteuropa und Afrika zu beobachten. Als wirksames Mittel empfahl er den Aufbau von Pluralismus und die Stärkung der Zivilgesellschaft.

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