Terror : Kofferbomber soll lebenslang ins Gefängnis

Die Staatsanwältin hält sich nicht lange mit den entlastenden Aspekten auf. Sie mag dem angeklagten Libanesen allenfalls zubilligen, dass er sich nicht als Mitglied einer terroristischen Vereinigung verantworten muss.

Jürgen Zurheide

Düsseldorf - Dieses Entgegenkommen hat in ihren Augen aber ausschließlich damit zu tun, dass für die geplanten Kofferbombenattentate von 2006 nur zwei Täter infrage kommen – der hier vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht stehende Youssef Mohamad al-Hajdib und sein längst im Libanon zu einer hohen Haftstrafe verurteilter Landsmann Jihad Hamad.

Die beiden hatten am 31. Juli 2006 vom Kölner Hauptbahnhof aus in zwei Regionalzügen Bomben deponiert, die dank eines technischen Defektes nicht explodierten. Wenn sie detoniert wären, hätten die beiden jungen Männer ein Blutbad angerichtet. „Dann wären 60 bis 70 Menschen umgekommen“, wirft Staatsanwältin Gmel dem Angeklagten vor und fordert gegen Ende ihres Plädoyers am Mittwoch eine lebenslange Haftstrafe. Youssef Mohamad al-Hajdib habe sich des versuchten Mordes in einer unbestimmten Anzahl von Fällen schuldig gemacht, erklärt die Staatsanwältin.

Die Karlsruher Anklagevertreter haben sich nicht von der Verteidigungsstrategie des Angeklagten und seiner Anwälte beeindrucken lassen. Die haben in dem nun schon bald einem Jahr währenden Verfahren immer wieder versucht, den Anschlag völlig anders zu interpretieren. Gleich mehrfach haben sie behauptet, dass ihr Mandant keine Menschen töten, sondern nur erschrecken wollte und deshalb bewusst einen Fehler eingebaut habe. Die Anklage hat aber keinen Zweifel, dass die Bomben explodieren und möglichst viele Menschen „heimtückisch“ treffen sollten. Dass die Bomben nicht in die Luft gingen, hat nach Ansicht der Ankläger ausschließlich damit zu tun, dass die beiden jungen Männer technisch nicht versiert genug gewesen sind, um eine Explosion auszulösen. „Deutschland hat einem islamistischen Anschlag nie näher gestanden“, sagt Anklägerin Gmel.Jürgen Zurheide

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