Politik : Terror-Nummer im PC

Computerspur verriet Mohammed, den Ägypter

Ralph Schulze

Madrid - Einer wie Rabei Osman al Sayed Ahmed ist der Albtraum der europäischen Sicherheitsbehörden. Der 32-jährige Topterrorist, dessen Herkunft ihm den Namen „Mohammed, der Ägypter“ einbrachte, gilt als intelligent, ideologisch geschult und terroristisch exzellent ausgebildet. Fünf Jahre diente er der ägyptischen Armee als Sprengstoffexperte. Dann begann eine Terroristenkarriere mit Lehrjahren in Sudan, Saudi-Arabien und Afghanistan – ehe er sich mit falscher Identität, getarnt als politischer Flüchtling in Europa als „Terrorgehirn“ und Al-Qaida-Stratege einnistete.

Deutschland, das nun mit Entsetzen bemerkt, dass dieser Terrorspezialist die Jahre 1999 bis 2001 im Saarland gelebt hat, war weder die erste noch die letzte Station auf der Reise dieses gefährlichen Mannes, der vorige Woche im italienischen Mailand verhaftet wurde. Als deutsche Sicherheitsbehörden sich nach den Anschlägen des 11. September für Ahmed interessierten, der durch Hasspredigten in der Asylbewerberunterkunft Lebach im Saarland aufgefallen war, war der bereits untergetaucht. Unbemerkt.

In Spanien wird er offenbar erstmals im Januar 2001 gesichtet. Und auch hier, in der Hauptstadt Madrid, zog er mit seinen Predigten vom „Heiligen Krieg“ bald die Aufmerksamkeit der Geheimpolizei auf sich. Anfang 2002 taucht sein Name in einem Ermittlungsbericht des spanischen Untersuchungsrichters Baltasar Garzon auf, der islamistischen Terroraktivitäten auf der Spur war. Hier lernte der Ägypter auch den Tunesier Sarhane Ben Abdelmajid Fakhet kennen, mit dem gemeinsam er den Anschlag vom 11. März 2004 in Madrid geplant haben soll.

Dass die Polizei ihn in Mailand aufspürte, ist dem Fehler eines weiteren mutmaßlichen Terroristen mit Deutschland-Erfahrung zu verdanken. Der 28-jährige Marokkaner Fouad al Morabit Anghar, nach dem Madrider Attentat als Mittäter verhaftet, hatte die Handynummer Ahmeds im Computer. So konnten die Sicherheitsbehörden das „Terrorgehirn“ in Mailand orten. Dessen Telefon wurde abgehört, seine Wohnung belauscht. Erst dadurch erfuhr die Polizei, dass Ahmed den Anschlag von Madrid offenbar ausgeheckt hatte („Das war meine Idee“) und weitere Anschläge in Europa plante. In der Pariser Metro, beispielsweise. Ahmed: „Wir sind vorbereitet für das Martyrium.“

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