Terror-Prozess : "Rote-Zora"-Mitglied bekennt sich zu Anschlägen

Auftakt im "Rote-Zora"-Verfahren in Berlin: Ein früheres Mitglied der Terrorgruppe hat die Beteiligung an zwei gescheiterten Sprengstoffanschlägen in den 80er Jahren gestanden.

Berlin - Die 58-jährige Angeklagte ließ zum Auftakt des Prozesses vor dem Berliner Kammergericht eine Erklärung verlesen, sie habe sich "wissentlich und willentlich" an den Anschlägen auf das Gentechnische Institut im Oktober 1986 im damaligen West-Berlin sowie im Juni 1987 auf ein Bekleidungswerk in der Nähe des bayerischen Aschaffenburg beteiligt. Sie habe jeweils einen Wecker für den Zündmechanismus besorgt. Zu Explosionen kam es aber nicht, da der Mechanismus in beiden Fällen versagte. Die Pädagogin hatte sich Ende letzten Jahres selbst gestellt.

Die Taten hätten ihren damaligen politischen Überzeugungen entsprochen, hieß es in dem Geständnis. In einem Bekennerschreiben, aus dem im Gericht zitiert wurde, hieß es zu dem Berliner Anschlag, die "Rote Zora" lehne die Folgen der Gentechnologie radikal ab und bekämpfe sie. Mit dem Anschlag bei Aschaffenburg habe die linksextreme Frauengruppe laut dem Bekennerbrief ihre "Solidarität mit streikenden Arbeiterinnen in Südkorea" zum Ausdruck bringen wollen.

Aussicht auf zwei Jahre auf Bewährung

Die Bundesanwaltschaft wirft der Frau Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung von mindestens Herbst 1986 bis Ende Juni 1987 sowie versuchtes Herbeiführen von zwei Sprengstoffexplosion vor. Die 58-Jährige, die auch ausgebildete Funkelektronikerin ist, habe sich in der "sozialrevolutionären" Terrorgruppe an der kollektiven Vorbereitung von gemeingefährlichen Straftaten beteiligt. Laut Bundesanwaltschaft hatte sich die "Rote Zora" 1977 als Teilorganisation der terroristischen "Revolutionären Zellen" (RZ) gegründet und bekannte sich bis Februar 1988 zu insgesamt 45 Sprengstoff- und Brandanschlägen. Erklärtes Ziel war die gewaltsame Veränderung des Gesellschaftssystems in Deutschland. Der letzte Anschlag der "Roten Zora" galt 1995 einer Werft in Bremen.

Weil die gebürtige Hannoveranerin sich selbst gestellt und ein Geständnis angekündigt hatte, hat das Kammergericht nach Absprachen mit beiden Seiten eine Bewährungsstrafe von höchstens zwei Jahren in Aussicht gestellt.

Der letzte, erweiterte Haftbefehl gegen die Frau stammte aus dem Jahr 1998. Nach den Anschlägen war sie im Ausland untergetaucht. Identifiziert wurde das "Rote Zora"-Mitglied beim Kauf eines ersten Weckers in Dortmund für den Berliner Anschlag. Dieser war von den Ermittlungsbehörden mit der Nummer 5199 präpariert worden, da derselbe Typ bereits bei mehreren Anschlägen verwendet worden war. Zudem wurde die damals Arbeitslose von einer Überwachungskamera gefilmt. (tso/dpa)

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