Terror : Selbstmordanschlag auf Trauergäste im Irak

Bei mehreren Bombenanschlägen sind im Irak am Montag Dutzende von Menschen getötet worden. Die Attentate ereigneten sich am selben Tag, an dem der türkische Präsident Abdullah Gül in Bagdad eintraf.

Ankara/ErbilIn der Provinz Dijala nordöstlich von Bagdad richtete ein Selbstmordattentäter ein Blutbad bei einer Beerdigungsfeier an. Nach Angaben des TV-Senders Al-Dschasira wurden mindestens 25 Menschen getötet. Angesichts der Stärke der Explosion werde befürchtet, dass die Zahl der Toten noch weiter steigen könnte, berichtete die Nachrichtenagentur Aswat al-Irak unter Berufung auf die örtliche Polizei. Zahlreiche Menschen seien bei dem Anschlag in der Ortschaft Dschalula in der Provinz Dijala nordöstlich von Bagdad verletzt worden. Der Attentäter hatte sich den Angaben zufolge inmitten der Trauergäste in die Luft gesprengt.

In Falludscha westlich von Bagdad starben acht Iraker durch einen Sprengstoffanschlag neben dem Haus eines Scheichs, der mit seiner Bürgerwehr gegen Al-Qaida-Terroristen kämpft. Unter den Toten waren auch zwei Kinder. In dem Bagdader Vorort Abu Ghreib kamen mindestens zehn Menschen ums Leben, als auf einem Markt zwei Sprengsätze explodierten, wie die örtliche Polizei auf Anfrage sagte. Die meisten Opfer hätten ebenfalls der Bürgerwehr gegen Al Qaida angehört.

Gül und seine Frau Hayrünnisa wurden in der streng abgesicherten Grünen Zone der Hauptstadt Bagdad mit allen Ehren empfangen. Zu Beginn seines zweitägigen Besuches sprach Gül mit Staatspräsident Dschalal Talabani, einem Kurden. Sie unterzeichneten ein Abkommen über wirtschaftliche Zusammenarbeit. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz sprach Gül anschließend vom "Anfang einer Intensivierung der Beziehungen" beider Länder. Das Verhältnis zwischen der Türkei und dem Irak war in der Ära von Ex-Präsident Saddam Hussein voller Spannungen gewesen. Es ist die erste Reise eines türkischen Staatschefs in das Nachbarland seit 33 Jahren.

Kurden-Regierung strebt Amnestie an

Gül will mit den Irakern dem Vernehmen nach auch über den Kampf gegen die in der Türkei verbotene Kurdische Arbeiterpartei PKK sprechen. Die PKK unterhält im nordirakischen Kurdengebiet Militärlager, die regelmäßig von der türkischen Armee bombardiert werden. Die Kurden-Regierung im Irak würde das PKK-Problem, das aus ihrer Sicht ein Faktor für Instabilität in ihrer Region ist, am liebsten lösen, indem sie die Türkei zu einer Amnestie für einen Teil der PKK-Kämpfer bewegt. Aswat al-Irak zitierte PKK-Sprecher Ahmet Deniz am Montag mit den Worten: "Es gibt eine Vereinbarung zwischen der Türkei, dem Irak und den USA, um die Ziele der Türkei (im Kampf gegen die PKK) zu verwirklichen, und man will nun auch die kurdische Autonomieregierung mit ins Boot holen." Ziel sei es, "die PKK auszulöschen und die kurdische Revolution gewaltsam zu stoppen, denn Gül ist nicht in der Lage, einen friedlichen Dialog zu führen", fügte Deniz hinzu.

Der Fernsehsender CNN-Türk berichtete unterdessen, Gül habe während des Fluges nach Bagdad vor türkischen Journalisten erstmals den in der Türkei bislang tabuisierten Begriff "Kurdistan" für das irakische Autonomiegebiet der Kurden verwendet. Dies wurde in der Türkei als Zeichen der Entspannung im Verhältnis zu den irakischen Kurden gewertet. Vergangene Woche hatte Talabani Istanbul besucht. (feh/dpa)

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