Politik : Terror und die Folgen: Bundeswehr an Offensive beteiligt

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Die Bundesregierung hat den Einsatz deutscher Soldaten bei der alliierten Großoffensive im Osten Afghanistans indirekt bestätigt. Nähere Angaben zu Art und Umfang des Einsatzes von "Spezialkräften" machte Bundesverteidungsminister Rudolf Scharping am Montag in Potsdam jedoch nicht: "Was sie tun, unterliegt aus guten Gründen der Geheimhaltung." Zugleich kritisierte das Verteidigungsministerium Informationen des US-Militärs über die deutsche Teilnahme an der Offensive. Eine Sprecher mahnte eine "zurückhaltende" Informationspolitik an. Die USA haben ihre Angriffe auf Stellungen der Taliban und der Al Qaida unterdessen fortgesetzt. Neun US-Soldaten seien bei den Kämpfen getötet worden, sagte Verteidigungsminister Donald Rumsfeld.

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Fotostrecke: Deutsche Soldaten in Afghanistan
Die Angriffe auf Stellungen der Taliban und der Al Qaida in der Provinz Paktia im Osten Afghanistans sind für die US-Truppen die bisher verlustreichsten seit Beginn des Krieges. US-Oberbefehlshaber Tommy Franks, der von von 40 Verletzten sprach, sagte, unter dem US-Kommando kämpften rund 2000 Soldaten, die Hälfte von ihnen Afghanen. Die feindlichen Truppen seien mit Pistolen, Gewehren, Raketen und Boden-Luft-Raketen ausgestattet. Franks berichtete, zwei unter Feuer geratene Chinook-Transporthubschrauber hätten kontrollierte Notlandungen durchführen müssen. Eine Crew sei nach der Landung sofort angegriffen worden. Im Gefecht seien mindestens sieben Soldaten ums Leben gekommen. Ein Soldat sei aus dem anderem Helikopter herausgefallen, sagte Franks. Den Al-Qaida- und Talibankräften seien schwere Verluste zugefügt worden. Mehrere Kämpfer seien festgenommen worden.

Rumsfeld bestätigte am Montag nochmals, dass auch deutsche Soldaten an der Offensive teilnehmen. Über deren Zahl machte ein US-Militärsprecher keine Angaben, auch nicht darüber, in welcher Form die Bundeswehr beteiligt ist. Der Sprecher von Verteidigungsminister Rudolf Scharping, Franz Borkenhagen, kritisierte die amerikanische Informationspolitik: "Ich drücke mich sehr zurückhaltend aus. Ich hätte mir gewünscht, dass die Information über den Einsatz deutscher Kräfte in diesem Rahmen zu dem heutigen Zeitpunkt nicht in der Form bekannt gegeben worden wäre." Eine "zurückhaltendere" Informationspolitik durch Washington wäre sinnvoll, sagte Borkenhagen. Grafik: Kämpfe in Afghanistan Ausdrücklich räumte Verteidigungsminister Scharping am Montag auch nur "sanitätsdienstliche Unterstützung" in Kabul ein. Die Bundeswehr sei jedoch darüber hinaus an "laufenden Operationen" in Afghanistan beteiligt. Scharping sagte, es sei widerlich, dass inzwischen Angehörige von Soldaten des "Kommandos Spezialkräfte" Belästigungen und Druck von Journalisten ausgesetzt seien. Frauen und Kinder müssten deswegen an andere Orte gebracht und mit einer neuen Identität versehen werden. Dies sei auf eine "völlige Skrupellosigkeit und Geschmacklosigkeit" zurückzuführen. Als überraschend früh bezeichnete der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Helmut Wieczorek (SPD), den Einsatz Deutscher bei der Offensive. "Wir haben damit gerechnet, dass das Ganze sich in Afghanistan noch etwas mehr beruhigen würde, und haben gehofft, dass es nicht zum großflächigen Einsatz kommen kann."

Die US-Luftwaffe setzte am dritten Tag in Folge ihre Bombardierung feindlicher Stellungen fort. Am Wochenende hatten die USA erstmals eine neue Waffe eingesetzt. Die "thermobarische" Bombe dringt tief in Höhlenkomplexe ein und löst dort eine Serie gewaltiger Explosionen aus, die den Sauerstoff förmlich aus der Höhle saugen. Wer nicht durch die Explosion stirbt, erstickt.

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