Politik : Terror und Hysterie

Experten rechnen bei einem Krieg mit Angriffen von Extremisten

Frank Jansen

In seltener Einmütigkeit sprechen alle vom „Tag x“. Sicherheitsbehörden, aber auch Extremisten jeder Couleur bereiten sich auf den Beginn des Irak-Krieges vor. Obwohl Deutschland sich wahrscheinlich nicht an einem Militärschlag beteiligt, wollen Linke und Neonazis loslegen – und vermutlich fanatisierte Muslime. Autonome Gruppen wie die „Antifaschistische Aktion“ mobilisieren ihre Anhänger für Demonstrationen, die hessische NPD propagiert im Internet „alternative Protestformen“ gegen US-Firmen. Sicherheitsexperten erwarten ein Zwei-Phasen-Szenario. „In den ersten Tagen wird es demonstrative Aktionen geben, möglicherweise bis hin zu Brandanschlägen auf McDonald’s-Filialen“, sagt ein Fachmann. Größere Sorge bereitet jedoch Phase zwei – das Einsetzen gezielter Angriffe durch islamistische, linksextreme oder auch rechte Terroristen.

Einen größeren Sprengstoffanschlag gleich am „Tag x“ in Deutschland halten die Sicherheitsbehörden eher für unwahrscheinlich, weil eine längere Planung notwendig wäre. Sollte es dann aber zu einer Terrorattacke kommen, wäre das worst case scenario zu erwarten – „ein Sprengstoffattentat mit vielen Opfern an einem Ort von hoher symbolischer Bedeutung“. Neben den direkten Schäden fürchten die Behörden eine lang anhaltende Terrorhysterie in der Bevölkerung. Die Polizei wäre gezwungen, mit auffälliger Präsenz beruhigend auf die Menschen einzuwirken. „Es würden überall Kontrollstellen eingerichtet“, sagt ein Experte, „auch wenn das überflüssig ist“. Außerdem geriete die Polizei an die Grenze ihrer Belastbarkeit. Die Beamten müssten nicht nur die Hysterie dämpfen und nach Terroristen fahnden, sondern auch noch den Objektschutz ausweiten – für amerikanische, britische, israelische, jüdische und andere Einrichtungen, gegen die sich weitere Anschläge richten könnten.

Als mögliche Attentäter nennen Experten neben deutschen Rechts- und Linksextremisten auch Al Qaida. Eine Verbindung zwischen Osama bin Laden und Saddam Hussein wird nicht mehr kategorisch ausgeschlossen. „Wenn wir keine Erkenntnisse haben, bedeutet das nicht, es gibt keine Kontakte zwischen Al Qaida und dem Irak“, ist nun zu hören. In ausländischen Sicherheitskreisen wird sogar behauptet, die Iraker hätten im Camp „Salman Pak“ Kämpfer von Al Qaida und der palästinensischen Hamas ausgebildet, auch im Umgang mit biologischen und chemischen Kampfstoffen. Außerdem spendiert Hussein den Familien palästinensischer Selbstmordattentäter hohe Summen.

Dass sich die islamistische Terrorinternationale auf den Irak-Krieg einstimmt, ist vor allem im Internet zu beobachten. Auf der Homepage der Tschetschenen-Guerilla wird sogar ein nuklearer Schlagabtausch zwischen Saddam Hussein und den als „Zionists from Capitol Hill“ geschmähten Amerikanern prophezeit. Und die Tschetschenen hoffen, Globalisierungsgegner würden die westliche Welt mit Unruhen überziehen.

Auf der Homepage „Taliban online“ demonstriert auch Osama bin Laden in einem „Dschihad Movie“, dass er das Irak-Thema an sich ziehen will. Verhungernde irakische Kinder werden als Opfer der UN-Sanktionen präsentiert, unterlegt mit inbrünstigen Parolen. Experten verweisen aber auch auf linksextreme Palästinenser, die mit Hussein verbündet sind. Vor allem die „Palestine Liberation Front“, die 1985 das italienische Kreuzfahrtschiff „Achille Lauro“ entführte, wird vom Irak unterstützt. „Die linken Terrorgruppen der Palästinenser stehen zwar im Schatten der Islamisten“, sagt ein Fachmann, „aber sie sind immer noch zu allem fähig“.

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