Politik : Terror zum Jahreswechsel: 100 Kilo Dynamit in Sevilla

Ralph Schulze

Die baskische Terror-Organisation Eta wollte den Silvestertag mit einem besonderen, tödlichen Knall begehen: Die Terroristen platzierten eine mächtige 100-Kilo-Bombe im Zentrum der andalusischen Hauptstadt Sevilla. Der Polizei gelang es, die Autobombe, die in der Nähe des Hauptbahnhofes Sevillas und eines großen Hotels abgelegt war, im letzten Moment zu entschärfen. Die Bombe war die größte, die im Jahr 2000, den blutigsten 12 Terror-Monaten seit 1992, von der Eta installiert wurde. Sie hätte in der auch nachts sehr belebten Innenstadt Sevillas viele Opfer fordern und Riesenschaden anrichten können.

Das Bomben-Auto war auf einer Hauptstraße vor der andalusischen Zentrale der staatlichen Sozialversicherung abgestellt worden. Am frühen Silvestermorgen, rund eine Stunde vor der im Zünder programmierten Explosion, warnten die Terroristen vor der Detonation des Sprengsatzes und forderten die Polizei auf, das Innenstadtviertel, den Bahnhof und auch das benachbarte Hotel zu räumen. Die Sicherheitskräfte, die mit einem mächtigen Terroranschlag zwischen Weihnachten und Jahresende gerechnet hatten, konnten die Bombe schnell lokalisieren und außer Gefecht setzen.

Nach Angaben der Polizei hatten die Terroristen den Bombenwagen in Frankreich vorbereitet und dann quer durch Spanien bis ins südliche Sevilla rollen lassen. Die Sicherheitskräfte schließen nicht aus, dass die Eta, wie in der Vergangenheit geschehen, gleich mehrere rollende Bomben auf den Weg geschickt hatte. So wollen die Terroristen üblicherweise sichergehen, dass trotz der scharfen Sicherheitsmaßnahmen in ganz Spanien wenigstens ein Sprengsatz sein Terrorziel erreicht. Im Dezember 1999 hatte die Eta zwei Mega-Bomben mit jeweils rund 900 Kilo Sprengkraft nach Madrid geschickt. Auch diese Bomben, die größten in der Eta-Geschichte, konnten entschärft werden.

Das Jahr 2000 markierte für Spanien einen Rückschritt auf dem Weg zum Frieden mit den baskischen Separatisten. Im abgelaufenen Jahr brachte die Eta mit Bomben und Kopfschüssen 23 Menschen um, weit über 100 wurden verletzt. Auch zur Jahreswende blieb es nicht bei dem vereitelten Anschlag in Sevilla: In der Nacht zum Sonntag ließen mutmaßliche Eta-Terroristen in der baskischen Küstenstadt San Sebastian Bomben in einem Bauunternehmen und in der Niederlassung einer japanischen Autofirma explodieren. Dabei entstand erheblicher Sachschaden. In Zumaya bei San Sebastian zündeten Eta-Anhänger einen selbstgebastelten Sprengsatz vor dem Parteibüro der Sozialisten und in Plencia bei Bilbao eine Bombe vor der Vertretung des Telekom-Konzerns Telefonica.

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