Terrorfahndung : BKA unzufrieden mit Foto-Fahndungs-Tests

Das BKA hat sich gegen den Einsatz der Foto-Fahndung bei der Suche nach Terroristen ausgesprochen. Der Test am Mainzer Bahnhof brachte ernüchternde Ergebnisse.

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Foto-Fahndung: Die Tests am Mainzer Hauptbahnhof verliefen nicht zufriedenstellend. -Foto: ddp

WiesbadenDas Bundeskriminalamt (BKA) hält Systeme zur automatischen Gesichtserkennung für ungeeignet, um in großen Menschenmengen nach mutmaßlichen Terroristen oder Gewalttätern zu fahnden. Er werde dem Bundesinnenministerium die Einführung der so genannten Foto-Fahndung nicht empfehlen, sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke in Wiesbaden. Die Behörde hatte vier Monate lang am Mainzer Hauptbahnhof getestet, ob die rund 200 Teilnehmer des Feldversuchs von Kameras automatisch erkannt werden. Die Trefferquote lag aber im Durchschnitt nur bei etwa 30 Prozent und hing zudem stark von der Tageszeit ab.
  
Die automatische Foto-Fahndung sei nach derzeitigem Stand für die Polizei nicht einsatzfähig, sagte Ziercke. Es gebe zwar in diesem  Bereich deutliche technische Fortschritte, aber diese seien für den polizeilichen Einsatz nicht ausreichend. Dafür müsse die Trefferquote schon an "nahezu 100 Prozent" herankommen, sagte der  BKA-Präsident. Bei dem Test lag die Wahrscheinlichkeit zur Erkennung eines Teilnehmers am Tag zum Teil über 60 Prozent, am Abend oder nachts sank die Quote dagegen auf zehn bis 20 Prozent. Der Erfolg des Systems ist also extrem von den Lichtverhältnissen abhängig.

Projektkosten von über 210.000 Euro

  
Einsatzmöglichkeiten für die Gesichtserkennung sieht Ziercke lediglich in eng begrenzten Zugangs- oder Kontrollbereichen. Dort  besteht nämlich der Vorteil, dass die Lichtverhältnisse konstant sind und frontale Aufnahmen von Einzelpersonen gemacht werden können. In großen Menschenmengen wie an Bahnhöfen hält der BKA-Chef den Einsatz der Systeme aber für nicht geeignet, um gesuchte Terrorverdächtige oder auch Vermisste zu entdecken.
  
An dem Feldversuch am Mainzer Hauptbahnhof hatten 200 Menschen freiwillig teilgenommen. Dabei handelte es sich überwiegend um Pendler, die den Bahnhof regelmäßig besuchen. Zu Beginn des Tests wurden Fotos von ihnen aufgenommen. Diese verglichen die Gesichtserkennungs-Systeme direkt mit den Bildern der Kameras, die an einer Treppe und einer Rolltreppe im Eingangsbereich des Bahnhofs angebracht waren. Der Test fand von Oktober 2006 bis Ende Januar statt. Die Projektkosten beliefen sich auf etwa 210.000 Euro. (mit AFP)

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