Terrorgefahr : Durchleuchten oder durchsuchen? 

Fachleute und Politiker plädieren für verbesserte Personenkontrollen an Flughäfen – neue Gesetze halten sie nicht für erforderlich.

Berlin/London/Lagos - In der Sicherheitsdebatte nach dem gescheiterten Terroranschlag in den USA hat sich FDP-Chef und Außenminister Guido Westerwelle gegen schärfere Gesetze ausgesprochen. Nötig sei vielmehr eine besser ausgestattete Polizei, sagte Westerwelle dem „Focus“. Zurückhaltend zeigte er sich auch gegenüber der Einführung von Körperscannern, über die weiter kontrovers diskutiert wird.

„Wir brauchen keine neuen Sicherheitsgesetze, sondern eine besser ausgestattete Polizei“, sagte Westerwelle. Mit Blick auf die Scanner warnte er vor Eingriffen in die Persönlichkeitsrechte. Zugleich zeigte sich der FDP-Politiker aber offen für technische Weiterentwicklungen bei den Kontrollgeräten, mit deren Hilfe beispielsweise am Körper versteckte Sprengstoffe gefunden werden sollen. „Wenn es jetzt bei Körperscannern technische Neuerungen gibt, die den Schutz der Intimsphäre gewährleisten, werden wir uns das genau ansehen“, sagte Westerwelle. Ähnlich äußerte sich erneut Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Vor einem möglichen Einsatz der Geräte müssten alle Bedenken mit Blick auf Gesundheitsrisiken und Persönlichkeitsrechte ausgeräumt werden, sagte de Maizière der „Bild“-Zeitung. „Geräte mit Röntgenstrahlen setzen wir nicht ein“, versicherte er. Dagegen hatten sich Strahlenschutzexperten ausgesprochen.

Großbritannien dagegen erwägt nach dem vereitelten Attentat von Detroit Reisende an Flughäfen mit Körperscannern zu durchleuchten. Zudem soll geprüft werden, inwiefern die Sicherheit durch fortgeschrittene Röntgenverfahren oder bessere Techniken zum Aufspüren von Sprengstoff erhöht werden kann, kündigte Premierminister Gordon Brown auf der Homepage von Downing Street Nummer 10 an. Auch die Sicherheitsbestimmungen für Transitpassagiere würden auf den Prüfstand gestellt. Um seinen guten Willen zu beweisen, kündigte auch Nigeria an, die großen Flughäfen im Land mit Nacktscannern auszustatten. Die Scanner, mit denen Flugreisende bis auf die Haut durchleuchtet werden können, sollen sofort für die Flughäfen der Hauptstadt Abuja, der südlichen Wirtschaftsmetropole Lagos sowie der Städte Kano und Port-Harcourt angeschafft werden. Später sollten weitere Airports folgen, sagte Luftfahrtchef Harold Demuren und versicherte: „Niemand wird Nigeria als Transitort für Terrorismus oder Drogen nutzen.“

Die Deutsche Polizeigewerkschaft plädierte dafür, den Verkauf von potenziell gefährlichen Produkten wie Alkohol, Feuerzeugen und Rasierklingen im Abflugbereich von Flughäfen zu verbieten. „Jenseits der Sicherheitsschleusen bekommen mögliche Attentäter in Duty-free-Shops und Restaurants alles, was sie für den Bombenbau brauchen“, sagte der Chef der Gewerkschaft, Rainer Wendt, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Die Deutsche Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit hatte sich im Tagesspiegel dafür ausgesprochen, das Warenangebot in den Geschäften für zollfreien Einkauf an Flughäfen zu überprüfen und Duty-free-Shops als ein mögliches Sicherheitsrisiko eingestuft.

Gestritten wird über die Sicherheitsvorkehrungen an Flughäfen seit Jahren. Vor drei Jahren war nach gescheiterten Anschlägen auf in Großbritannien startende Flugzeuge die Mitnahme von Flüssigkeiten eingeschränkt worden. Das Mitführen einer Literflasche Wasser oder Limonade ist danach untersagt, weil es sich auch um Flüssigsprengstoff handeln könnte, den die heute im Einsatz stehenden Röntgengeräte noch nicht erkennen. Die Mitnahme von bis zu zehn Kosmetikfläschchen und -dosen mit jeweils maximal 100 Millilitern Fassungsvermögen ist dagegen problemlos möglich. An Bord könnte ein Terrorist die Inhalte wieder zur kritischen Menge zusammenschütten.

Viele der umstrittenen, bis heute geltenden Sicherheitsmaßnahmen seien aus der Hektik nach den Anschlägen vom 11. September 2001 entstanden „und man hat kein Interesse, etwas daran zu ändern, weil man sich dann der Kritik aussetzt“, sagte der Sprecher der Deutschen Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit, Jörg Handwerk. Der Trend sei, restriktive Komplettverbote auszusprechen und so den Menschen die Lust am Fliegen zu nehmen. Wichtiger wäre es, die Personenkontrollen am Boden zu optimieren, sagte Handwerk.du-/AFP/dpa

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