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Terrorgefahr in Bremen : Polizei nimmt mutmaßliche Extremisten fest

Schon wieder schreckt eine Warnung vor gewaltbereiten Islamisten die Menschen auf. Diesmal gilt Bremen als Anschlagsziel. Im Laufe des Tages nahm die Polizei einen Verdächtigen fest. Den gesamten Samstag über hatten Beamte vor allem die historische Altstadt, den Hauptbahnhof und die Synagoge gesichert.

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Polizeibeamte mit Maschinenpistolen patrouillierten am Samstag durch die Altstadt.
Polizeibeamte mit Maschinenpistolen patrouillierten am Samstag durch die Altstadt.Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Dieter Baumanns hat den ganzen Tag noch kein Radio gehört und im Internet war er auch noch nicht. „Terrorwarnung? Glaub’ ich nicht“, sagt der Rentner, der an der Weser seinen Mischlingshund spazieren führt. „In Bremen doch nicht. Was sollen die denn hier auch in die Luft jagen?“ Am Samstagmorgen um kurz nach neun hatte die Bremer Polizei eine erste dürre Meldung herausgegeben: Seit dem Vorabend lägen „Hinweise einer Bundesbehörde auf Aktivitäten islamistischer Gefährder für die Stadtgemeinde Bremen vor“, heißt es darin. „Zur Abwehr dieser Gefahr gehören unter anderem Schutzmaßnahmen im öffentlichen Raum.“ Der öffentliche Raum umfasst zunächst vor allem die historische Innenstadt. Vor dem Rathaus und rund um den St.-Petri-Dom sind Mannschaftswagen aufgefahren, Beamte mit Maschinenpistolen patrouillieren über den Marktplatz. Einige sprechen mit Passanten, die nach dem Grund für die auffällige Präsenz fragen. Auch vor dem Hauptbahnhof und vor der Synagoge im Stadtteil Schwachhausen stehen Polizisten.

Die Jüdische Gemeinde der Stadt ist von der Kripo bereits am frühen Morgen über die Terrorwarnung informiert worden. Der Gottesdienst und die Unterrichtsstunden danach hätten aber trotzdem stattgefunden, berichtet die Gemeinde. Am Weserdeich gibt es keine sichtbaren Sicherheitsmaßnahmen. Unter den Spaziergängern und Radfahrern, die die Spätwintersonne zu einem Ausflug nutzen, ist von Angst nichts zu spüren.

Am Abend dann gibt die Bremer Polizei eine Pressekonferenz. Seit Freitagabend habe es Hinweise der Polizei, des Verfassungsschutzes sowie einer Bundesbehörde auf eine erhöhte Terrorgefahr gegeben, sagt ein Sprecher. Eine Person sei im Laufe des Tages festgenommen worden. Für ein laufendes Ermittlungsverfahren habe es Durchsuchungen bei einem Verdächtigen und dem Islamistischen Kulturzentrum gegeben. „Zudem gab es Ingewahrsamnahmen und Überprüfungen von mehreren Personen“, sagt der Sprecher. Konkreter wird er nicht.

Nach Informationen von Radio Bremen stehen vier Rückkehrer aus Syrien schon seit Wochen unter verstärkter Beobachtung. Insgesamt sollen 30 junge Männer von der Weser aus in den Dschihad nach Syrien oder in andere arabische Länder gezogen sein. Ende des vergangenen Jahres hatte die Bremer Innenbehörde den salafistischen Kultur- und Familienverein verboten. 15 Mitglieder aus dem Verein sollen sich dem „Islamischen Staat“ angeschlossen haben. Die Stadt gilt schon länger als eine Hochburg radikaler Islamisten. Nach Angaben von Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) wurden zuletzt rund 360 Salafisten vom Verfassungsschutz beobachtet.

Das Spiel des Fußball-Bundesligisten Werder Bremen gegen den VfL Wolfsburg am Sonntag soll wie geplant stattfinden, heißt es. Gegebenenfalls werde man kurzfristig entschieden, lässt der Verein wissen. Zuletzt hatte Mitte Februar eine Terrorwarnung zur Absage des Karnevalsumzuges in Braunschweig geführt. Erst jüngst hatte Verfassungsschutzpräsident Hans- Georg Maaßen vor möglichen Anschlägen gewarnt. Deutschland sei keine Insel der Sicherheit.

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