Terrorgefahr : Obama: Wir haben versagt

Nach dem vereitelten Anschlag auf ein US-Flugzeug hat US-Präsident Barack Obama ein Scheitern der staatlichen Sicherheitssysteme eingeräumt.

Ralf Nestler,Christian Tretbar

Nach dem gescheiterten Anschlag auf ein US-Passagierflugzeug in Detroit hat US-Präsident Barack Obama laut der Nachrichtenagentur AP in seinem Urlaubsort Honolulu auf Hawaii von einem „völlig inakzeptablen systemischen Versagen“ gesprochen. Er widersprach damit sowohl seinem Pressesprecher Robert Gibbs als auch US-Heimatschutzministerin Janet Napolitano, die am Wochenende gesagt hatten, das Sicherheitssystem habe funktioniert. Der Nigerianer Umar Farouk Abdulmutallab war am ersten Weihnachtsfeiertag erst bei dem Versuch gestoppt worden, einen Sprengsatz zu zünden. Obwohl er in den USA auf einer Liste mit Verdächtigen steht, gelangte er ohne spezielle Kontrolle an Bord. Obama erklärte, alle Sicherheitsmaßnahmen und -verfahren der USA würden überprüft, um die „katastrophalen Sicherheitsmängel“ und „schweren Fehler“ der Sicherheitsbehörden abzustellen, die „unter keinen Umständen hinzunehmen“ seien. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden, sagte er in einer Audio-Botschaft.

Das deutsche Innenministerium hat wegen des Vorfalls die Sicherheitsstandards auf den Flughäfen noch einmal deutlich verschärft. „Die Bundesregierung nimmt den Anschlagsversuch in den USA sehr ernst“, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière. Insbesondere die Handgepäckkontrollen und Leibesvisitationen werden intensiviert. Er empfahl, möglichst wenig Gepäck in die Kabine mitzunehmen. Es gebe jedoch keinen Grund, in Panik zu verfallen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur ddp sind in deutschen Flugzeugen derzeit auch mehr „Sky Marshalls“ im Einsatz. Diese in Zivil gekleideten Männer der Spezialeinheit GSG 9 werden besonders auf Flügen in die USA und nach Israel eingesetzt. Auch andere Länder erhöhten ihre Sicherheitsvorkehrungen.

Die schwarz-gelbe Koalition zeigte sich am Dienstag offen für den künftigen Einsatz von Körperscannern: Der Vorsitzende des Bundestagsinnenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), sagte dem Tagesspiegel: „Wenn die Technik praxistauglich ist, also schnell und zuverlässig arbeitet, sollten wir sie auch einsetzen.“ Voraussetzung sei, dass man sich international darüber einige. Auch die FDP-Fraktionsvorsitzende Birgit Homburger sprach sich für die Geräte aus, die auch nicht metallische Gegenstände, beispielsweise Flüssig- oder Plastiksprengstoff, erkennen können. Skeptisch zum Einsatz der Scanner äußerten sich die Grünen .

Der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Konrad Freiberg, kritisierte in den „Stuttgarter Nachrichten“ die Sicherheitsvorkehrungen deutscher Flughäfen. Es gebe besorgniserregend viele Sicherheitslücken und Pannen: „Bundespolizisten schleusen zu Testzwecken immer wieder Waffen oder Sprengstoffmaterial durch die Sicherheitskontrollen“, sagte er – viele für Anschläge geeignet Waffen blieben dabei unentdeckt. Mitarbeiter der eingesetzten privaten Sicherheitsdienste würden schlecht bezahlt und seien wenig motiviert.

Amerikanische und deutsche Behörden halten das am Montag eingegangene Bekennerschreiben der Terrororganisation Al Qaida für glaubwürdig. Das Netzwerk kündigte darin auch neue Gewalttaten an: „Ihr werdet bekommen, was ihr fürchtet.“

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