Terrorismus : Al Qaida plante Anschläge auf wichtige Infrastrukturen

Aus einem bislang unbekannten Brief eines Al-Qaida-Strategen geht hervor, dass das Terrornetzwerk im Jahr 2010 eine Strategie für Anschläge auf die internationale Infrastruktur entwickelte. Internetkabel, Tunnel, Brücken und Staudämme wurden als mögliche Ziele genannt.

Der getötete Chef des Terrornetzwerks, Osama bin Laden.
Der getötete Chef des Terrornetzwerks, Osama bin Laden.Foto: dpa

Das Terrornetzwerk Al Qaida entwickelte im Jahr 2010 eine umfassende Strategie für Anschläge gegen wichtige Infrastrukturen wie Internetkabel, unterseeische Pipelines, Tunnel, Brücken und Staudämme. Das geht laut US-Behörden aus einem bisher unbekannten Brief des Al-Qaida-Strategen Younis al-Mauretani an Osama bin Laden hervor. Amerikanische Spezialkräfte fanden das Dokument, als sie Bin Laden am 2. Mai 2011 in seinem Versteck im pakistanischen Abbottabad aufspürten und töteten. Der ZEIT liegt eine Kopie des Briefes vor.

Darin heißt es unter anderem, die Al-Qaida-Filiale in Nordafrika könnte die geplanten Anschläge mitfinanzieren. Zur Strategie gehöre, dass sich Kader in westlichen Ländern ausbilden ließen – in Berufen, die später für Terrorzwecke nützlich sein könnten, etwa im Benzin- oder Gastransport. Erst solle Europa attackiert werden, „danach schlagen wir gegen Amerika zu“. Der Absender des Briefes, Al-Mauretani, wurde im September 2011 in Pakistan festgenommen. Zuvor hatten deutsche Al-Qaida-Rekruten berichtet, er habe über Pläne für unkonventionelle Anschläge gegen den Westen gesprochen.

Osama bin Laden ist tot
Osama bin Laden wurde damals in seinem Versteck in Pakistan überrascht.Weitere Bilder anzeigen
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02.05.2012 11:18Osama bin Laden wurde damals in seinem Versteck in Pakistan überrascht.

Das US-Justizministerium übersandte den Brief im April 2012 dem deutschen Bundesamt für Justiz. Von dieser Woche an wird das Dokument in einem Terrorprozess am Oberlandesgericht Düsseldorf eine Rolle spielen, weil es auch Informationen über einen Marokkaner enthält, dessen Geburtsdatum mit dem des Angeklagten Abdeladim El-K. übereinstimmt. Dessen Verteidiger Johannes Pausch sagte der ZEIT, er habe „grundsätzliche Zweifel“ an der Authentizität des Dokuments. Es sei kaum vorstellbar, dass Al Qaida so sorglos mit Daten umgehe.

Nun sollen drei FBI-Beamte vor Gericht beschreiben, wie sie in den Besitz des Dokumentes kamen und wer außer ihnen Zugang zu ihm hatte. Bisher haben die USA von den vermutlich Tausenden in Abbottabad erbeuteten Dokumenten 17 veröffentlicht.

Bei diesem Text handelt es sich um eine Vorabmeldung der ZEIT.

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