Terrorismus : Anschlag auf Polizeischule in Pakistan

Ein Dutzend Militante überfielen am Montag eine Polizeiakademie in der Millionenmetropole Lahore, nur zwölf Kilometer vor der Grenze zu Indien. Mindestens elf Menschen starben, fast 100 wurden verletzt. Hinter der Tat werden örtliche Terrorgruppen oder die Taliban vermutet.

Christine Möllhoff[Neu-Delhi]

Neu-Delhi - Es sind Bilder, die einem die Kehle zuschnüren. Regungslos liegen blutüberströmte Körper umher. Mit letzter Kraft robbt ein Verletzter über den Boden, während Kugeln durch die Luft fliegen. Ein Dutzend Militante überfielen am Montag eine Polizeiakademie in der Millionenmetropole Lahore, nur zwölf Kilometer vor der Grenze zu Indien. Mindestens elf Menschen starben, fast 100 wurden verletzt. Erst nach acht Stunden war das Terrordrama vorbei. Von den Dächern feuerten Elitetruppen Siegesschüsse in den Himmel. Sechs Terroristen wurden angeblich lebend gefangen, mindestens vier kamen ums Leben. Der Anschlag zielte offenbar darauf, den Atomstaat in seinem Machtzentrum, der Provinz Punjab, zu destabilisieren.

Der Zeitpunkt war kaum ein Zufall. Er scheint eine Kampfansage zu sein – an Pakistans politische und militärische Führung und auch an US-Präsident Barack Obama. Dieser hatte am Freitag seine Strategie für Afpak, wie der Brandherd Afghanistan und Pakistan nun heißt, vorgestellt, die Islamabad abverlangt, Extremisten ohne Wenn und Aber zu bekämpfen. Und er hat ein Millionen-Kopfgeld auf den pakistanischen Taliban-Führer Baitullah Mehsud ausgesetzt.

Der erste Verdacht fiel wie immer auf Terrorgruppen wie Jaish oder Lashkar-e-Toiba (LeT), aber auch auf Taliban-Milizen, die sonst nicht in dieser Region operieren. TV–Bilder zeigten einen Gefangenen, der aussah, als habe man ihm Bart und Haar gerade erst in Form gestutzt. Es gab Gerüchte, dass er Paschtun spricht und Afghane ist. Der Geheimdienst ISI hatte die Terrorgruppen früher hochgepäppelt, um seinen Einfluss in Indien oder Afghanistan auszubauen. Doch die Kettenhunde von einst scheinen außer Kontrolle. Unterstützt werden sie möglicherweise von Geheimdienstfunktionären, denen der pro-westliche Kurs ihrer Führung nicht passt. Die Anschläge in Lahore sind ein böses Omen. Die moderne Hauptstadt der Provinz Punjab galt vor kurzem noch als eine der letzten Inseln der Normalität. Christine Möllhoff

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