Terrorismus : Argentinien verklagt Iran wegen Bombenanschlag

Die argentinische Justiz macht den früheren iranischen Präsidenten Rafsandschani für den schlimmsten Terroranschlag des Landes verantwortlich, der vor zwölf Jahren auf ein jüdisches Kulturzentrum in Buenos Aires verübt wurde.

Buenos Aires - Die Staatsanwälte erhoben am Mittwoch darüber hinaus Anklage gegen sechs weitere ranghohe iranische Regierungsvertreter sowie gegen den ehemaligen Hisbollah-Auslandssicherheitschef, Imad Fajes Mughnieh. Bei dem Attentat auf das jüdische Kulturzentrum waren im Juli 1994 85 Menschen getötet und 300 weitere verletzt worden.

In der von Generalstaatsanwalt Alberto Nisman veröffentlichten Erklärung hieß es: "Wir halten es für erwiesen, dass die Entscheidung zur Ausführung eines Angriffs am 18. Juli 1994 auf den Argentinisch-jüdischen Verband (AMIA) von höchsten Autoritäten der Islamischen Republik Iran getroffen wurde, die die Hisbollah anwiesen, den Angriff auszuführen." Der von den USA und Israel unterstützte AMIA hatte bereits in der Vergangenheit den Iran und die Hisbollah für den Anschlag verantwortlich gemacht.

Hisbollah wird ebenfalls verdächtigt

Der Dachverband der israelischen Organisationen in Argentinien (DAIA) begrüßte die Klage. "Das hat die DAIA schon seit fast zwölf Jahren gesagt, und es bestätigt alle unsere Aktivitäten in der Sache", sagte Verbandschef Jorge Kirszenbaum. Aus Hisbollah-Kreisen im Libanon verlautete, dass bislang noch nichts von einer formellen Klage bekannt sei, aber die Nachricht auch nicht überraschend komme. Die Hisbollah wird auch verdächtigt, 1992 einen Anschlag auf die israelische Botschaft in Buenos Aires verübt zu haben.

Bereits im November vergangenen Jahres hatte ein argentinischer Richter ein Mitglied der Hisbollah beschuldigt, den Anschlag von 1994 verübt zu haben. Teheran und die Hisbollah wiesen die Anschuldigungen stets zurück. Gegen die argentinische Regierung wurden in der Vergangenheit mehrfach Vorwürfe laut, sie verschleppe die Ermittlungen. Auch der Anschlag auf die israelische Botschaft mit 22 Toten ist bis heute ungeklärt. Die jüdische Gemeinde in Argentinien zählt rund 300.000 Mitglieder und ist die größte in Südamerika.

Rafsandschani war von 1989 bis 1997 Präsident im Iran. Er gilt als pragmatischer Konservativer. Nach dem Krieg mit Irak machte sich Rafsandschani einen Namen als "Kommandeur des Wirtschaftsaufbaus". Bei Ablauf seiner Amtszeit setzte sich Rafsandschani 1997 für den reformorientierten Chatami als Nachfolger ein. (tso/AFP)

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar