Terrorismus : Bombenanschlag mit mehreren Toten in Sri Lanka

In Sri Lanka fordern die Kämpfe zwischen tamilische Rebellen und der Regierung immer wieder neue Opfer. Zu einem erneuten blutigen Vorfall ist es jetzt in der Hauptstadt Colombo gekommen - mitten im Zentrum.

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Von der Bombe zerfetzter Bus in Colombo. -Foto: dpa

ColomboBei einem Selbstmordanschlag im Zentrum der Hauptstadt von Sri Lanka sind am Freitag nach Regierungsangaben mindestens zehn Menschen getötet und 90 weitere verletzt worden. Das Verteidigungsministerium teilte mit, ein Selbstmordattentäter habe in Colombo mit einem Motorrad einen Bus mit Polizeibeamten gerammt und dabei einen Sprengsatz gezündet. Acht der Todesopfer seien Polizisten.

Unter den Verletzten sind zahlreiche Zivilisten. Das Ministerium machte die Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) für die Tat verantwortlich. In der Nähe des Anschlagorts liegt das Hilton-Hotel, das auch von Ausländern besucht wird. Berichte über ausländische Opfer lagen nicht vor.

Anschlag passiert wenige Stunden vor Vereidigung eines Politikers

Zu dem Anschlag kam es in einem Hochsicherheitsbereich 150 Meter vom Präsidialamt entfernt. Die Regierung hatte vor vier Monaten das Waffenstillstandsabkommen mit der LTTE aufgekündigt. Die Armee versucht seitdem, die Tamilen-Rebellen militärisch zu vernichten. Die LTTE verübt im Gegenzug immer wieder Anschläge auch in Colombo.

Zum jüngsten Anschlag kam es wenige Stunden, bevor im Präsidialamt der Ministerpräsident der Ostprovinz, Sivanesathurai Chandrakanthan, vereidigt werden sollte. Chandrakanthan gehört einer Gruppe an, die sich von der LTTE abgespalten hat. Nach der Vertreibung der Rebellen aus dem Osten hatte die Regierung dort Ende vergangener Woche die erste Provinzratswahl seit 20 Jahren abgehalten.

Luftangriffe der Armee auf Rebellenstützpunkte

Die LTTE äußerte sich wie üblich nicht zu dem Anschlag am Freitag. Präsident Mahinda Rajapaksa verurteilte die Tat und rief erneut dazu auf, "die Bedrohung des Terrorismus auszumerzen, für den die LTTE das blutigste Beispiel bleibt". Das Auswärtige Amt rät seit längerem von nicht unbedingt notwendigen Reisen nach Sri Lanka ab.

Das Verteidigungsministerium in Colombo teilte mit, die Luftwaffe habe am Freitag Stellungen der Sea Tigers, der marineähnlichen Unterabteilung der LTTE, an der Küste im Norden der Insel angegriffen. Das Ziel sei getroffen worden. Zu Opfern machte keine der Konfliktparteien Angaben. Seit Jahresbeginn sind bei Kämpfen im Norden nach Militärangaben mehr als 2500 Aufständische und mindestens 300 Soldaten getötet worden. Die Rebellen, die für einen unabhängigen Staat der tamilischen Minderheit kämpfen, kontrollieren nach ihrer Vertreibung aus dem Osten noch Teile des Nordens Sri Lankas. (ut/dpa/AFP)

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