Terrorismus : Deutscher Islamist ruft zum Dschihad auf

Im Internet kursiert ein Video, in dem ein aus dem Saarland stammender Islamist seine Gesinnungsgenossen zum Heiligen Krieg aufruft. Nach dem 20-Jährigen wird bereits gefahndet. Sicherheitsexperten nehmen die Botschaft ernst.

SaarbrückenDer deutsche Konvertit Eric B., nach dem seit Wochen in Afghanistan gesucht wird, ist auf einer Video-Aufnahme aufgetaucht. Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe erklärte, dass das auf einer islamistischen Website veröffentlichte Video derzeit ausgewertet wird. Auf dem Band, das teils in deutscher Sprache abgefasst ist, sind "mit einiger Sicherheit Eric B." sowie ein weiterer Mann zu sehen. Es umfasst einen Aufruf zum Dschihad, der aber offenbar speziell auf Afghanistan gerichtet ist. Der Sprecher konnte indes Medienberichte nicht bestätigen, wonach es sich um ein "Abschiedsvideo" von Eric B. handelt. Der Mann wird in Afghanistan oder im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet vermutet.

"Ich denke, das muss man ernst nehmen", sagte der Sprecher der Bundesanwaltschaft weiter. Allerdings gehen die Ermittler nicht von einer unmittelbaren Gefahr auf deutschem Boden aus. Eine Sprecherin des Bundeskriminalamtes (BKA) in Wiesbaden erklärte, es gebe derzeit keine Hinweise auf eine konkrete Anschlagsgefahr in Deutschland. Sie bestätigte lediglich die Existenz des Videos, das laut Bundesanwaltschaft offenbar seit Montag im Internet steht, wollte aber keine näheren Einzelheiten mitteilen.

"Bild": Eric B. zu Selbstmordanschlag bereit

Der Südwestrundfunk und die "Bild"-Zeitung hatten über das Video berichtet. Laut "Bild" soll der 20-jährige Eric B. aus dem saarländischen Neunkirchen darin seine Bereitschaft erklären, ein Selbstmordattentat zu begehen.  Die Familie des 20-Jährigen wird derzeit psychologisch betreut. Der SWR berichtete, dass der Konvertit um Unterstützung für den heiligen Krieg durch Teilnahme oder Geldspenden bittet.

Nach Eric B. und einem weiteren Verdächtigen wird in Afghanistan gefahndet. Das BKA hatte Anfang April über die deutsche Botschaft in Kabul eine Warnung und ein Fahndungsfoto an deutsche Organisationen herausgegeben. Er soll im pakistanischen Grenzgebiet zum Selbstmordattentäter ausgebildet worden sein. Außerdem werden ihm Verbindungen zur Sauerland-Zelle zugeschrieben, die vergangenen September ausgehoben wurde. Eine Gruppe von Islamisten um den Konvertiten Fritz G. hatte damals versucht, einen Sprengstoff-Anschlag in Deutschland zu verüben. Die Vorbereitungen dazu liefen über Monate.

Konvertiten als "Gefährder" unter Beobachtung

BKA-Chef Jörg Ziercke hatte unlängst darauf verwiesen, dass Konvertiten wie Eric B. von der Al-Qaida-Führung auch nach Afghanistan geschickt werden. Die aktuelle Strategie der Al Qaida in Europa sei es, Selbstmordattentäter zu rekrutieren, die die Muttersprache der jeweiligen Zielländer sprechen, sich unauffällig bewegten und so in der Lage seien, Anschläge ausführen zu können. Derzeit gibt es etwa sieben als "Gefährder" eingestufte junge Konvertiten aus Deutschland, die sich im pakistanischen Grenzgebiet in Trainingslagern aufhalten oder bereits nach Deutschland zurückgekehrt sind. In Deutschland stehen sie unter Beobachtung der Sicherheitsbehörden. (smz/dpa/ddp/AFP)

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