Terrorismus : EU-Programm gegen Flugzeugentführungen

In einem von der EU-Kommission unterstützten Programm forscht die Luftfahrtbranche nach neuartigen technischen Systemen, um das entführungssichere Flugzeug Realität werden zu lassen.

Paris - Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 suchen Flugzeugbauer und Regierungen nach Wegen, die Entführung von Linienmaschinen unmöglich zu machen. Cockpit-Türen wurden gepanzert, die Gepäckkontrollen am Boden verschärft und in der Luft sollen Air-Marshalls im Fall der Fälle eingreifen.

Rund 30 Unternehmen von Airbus über die Rüstungskonzerne BAE Systems und Thales bis Siemens sind an der 2004 ins Leben gerufenen Initiative Security of Aircraft in the Future European Environment (Safee) beteiligt. Alle Bemühungen zielten darauf, dass Terrorflüge wie in die Zwillingstürme des World Trade Centers in New York nie wieder vorkommen könnten, sagt Projektkoordinator Daniel Gaultier.

Eines der geplanten Systeme soll Bedrohungen im Flugzeug automatisch erkennen, wobei Mini-Kameras und Mikrofone ungewöhnliche Bewegungen von Passagieren melden. Gegen Angriffe von Hackern auf die Flugzeugelektronik entwickelt die französische Firma Sagem Schutztechniken sowie Funksysteme zur abhörsicheren Kommunikation zwischen Cockpit und Kontrollturm.

Flugzeug soll Ausweichkurs fliegen

Das niederländische Luftfahrt-Unternehmen NLR arbeitet an Identifikationssystemen, die nur Crew-Mitgliedern über Scans der Augeniris oder Abnahme der Fingerabdrücke Zugang zum Cockpit erlauben sollen. Hilft das alles nichts, soll ein Anti-Kollisionssystem des französischen Thales-Konzerns eine neue Katastrophe wie in New York verhindern: Wenn Terroristen die Gewalt über eine Maschine bekämen und ein Gebäude ansteuerten, würde das Flugzeug automatisch einen Ausweichkurs fliegen.

Anders als vergleichbare Projekte in den USA sieht das mit 36 Millionen Euro ausgestattete Safee-Programm bisher keine Übernahme der Maschine durch die Bodenkontrolle vor. "Bodengeleitete Systeme sind Zukunftsmusik", sagt Gaultier, der von Sagem Défense Sécurité kommt. In diesem Bereich gebe es "enorme Probleme der Reglementierung und Sicherung der Verbindung".

"Exorbitante" Kosten

Im Februar 2008 sollten alle Safee-Systeme erstmals im Zusammenspiel getestet werden, "um zu zeigen, dass das funktioniert", sagt der zuständige Koordinator der EU-Kommission, Marco Brusati. Danach wird das Projekt voraussichtlich um sieben Jahre verlängert. "Es wird keine Produkte auf dem Markt vor 2010 geben", sagt Brusati. "Das Gesamtpaket könnte um das Jahr 2015 in bereits in Dienst gestellten Flugzeugen verfügbar sein." Ob die Fluggesellschaften die laut Gaultier "exorbitanten" Kosten für die Nachrüstung ihrer Maschinen freiwillig übernehmen, steht auf einem anderen Blatt. Der Safee-Koordinator geht deshalb eher davon aus, dass die Sicherheitstechnik erst in neuen Flugzeuggenerationen auftauchen wird.

Bis dahin müssen auch noch rechtliche Fragen geklärt werden. Was passiert etwa mit an Bord gemachten Filmaufnahmen oder Gesprächen von Passagieren? Eine diskutierte Möglichkeit ist laut Gaultier die Zerstörung der Daten, sobald ein Flugzeug wieder sicher gelandet ist. "Der Ansatz der Amerikaner in dieser Frage ist nicht der unsere", sagt EU-Vertreter Brusati mit Blick auf weniger Skrupel im Bereich der Bürgerrechte in den USA. "Man muss wissen, wo die Grenzen im Bereich der Sicherheit sind, denn ein Null-Risiko existiert nicht." (Von Thomas Urbain, AFP)

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