Terrorismus : Innenministerium sieht keine neuen Hinweise auf geplante Zug-Anschläge

Nach Berichten über Anschlagspläne auf Europas Schnellbahntrassen sehen deutsche Behörden keine Veränderung in der Sicherheitslage. In Tschechien wird der Bahnverkehr dagegen schärfer überwacht.

Schnellzug ICE. Plant die Terrororganisation Al Qaida auch Anschläge auf das Schnellbahnnetz in Deutschland?
Schnellzug ICE. Plant die Terrororganisation Al Qaida auch Anschläge auf das Schnellbahnnetz in Deutschland?Foto: AFP

Das Bundesinnenministerium hat einen Bericht über angeblich geplante Anschläge des Terrornetzwerkes Al Qaida auf Schnellzüge in Europa relativiert. „Die Sicherheitslage hat sich nicht verändert“, sagte ein Sprecher des Ministeriums am Montag in Berlin. Es lägen keine aktuellen Hinweise vor, die die Lage verschärft hätten. Vielmehr gebe es immer wieder Warnhinweise, denen nachgegangen werde. Diese würden nicht kommentiert. Deutschland liege grundsätzlich „im Zielspektrum des internationalen dschihadistischen Terrorismus“.

Aus Sicherheitskreisen hieß es zudem, die ohnehin schon hohen Sicherheitsmaßnahmen der für die Bahn zuständigen Bundespolizei seien nicht verschärft worden. Die „Bild“-Zeitung hatte unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtet, die deutschen Sicherheitsbehörden seien wegen der Terrorwarnung in Alarmbereitschaft versetzt worden.

Erhöhte Sicherheitsmaßnahmen an ICE-Strecken und Bahnhöfen seit zwei Wochen

ICE-Trassen und Bahnhöfe würden seit mehr als zwei Wochen mit einer Reihe von zusätzlichen Maßnahmen gesichert, darunter auch durch Zivilstreifen der Bundespolizei. Die Hinweise auf eine Bedrohung des Schnellbahnnetzes in Europa wurden nach dpa-Informationen im Zusammenhang mit Telefonaten führender Al Qaida-Mitglieder aufgefangen, die vom umstrittenen US-Geheimdienst National Security Agency (NSA) abgehört worden waren.

Anfang August hatten die USA daraufhin sicherheitshalber zahlreiche Botschaften auf der arabischen Halbinsel geschlossen. Die US-Auslandvertretungen sind mittlerweile wieder geöffnet, Anschläge hat es nicht gegeben. Seit Sonntag ist auch die in diesem Zusammenhang knapp zwei Wochen geschlossene deutsche Botschaft in Jemen wieder geöffnet.

Tschechien reagiert

In Tschechien haben die Behörden die Sicherheitsvorkehrungen im Bahnverkehr erhöht. Es seien „präventive Maßnahmen“ ergriffen worden, sagte ein Bahnsprecher am Montag in Prag. Die Bahn wolle „nichts unterschätzen“ und „sich nicht überraschen lassen“. Genaue Angaben zu den Maßnahmen machte der Sprecher nicht.

Der Sprecher des tschechischen Geheimdienstes BIS, Jan Subert, bezeichnete die Gefährdungslage als abstrakt. Es gebe derzeit keine Hinweise auf eine „unmittelbare Gefahr“. Tschechien sei durch seine Zugehörigkeit zur „internationalen Antiterror-Koalition und zur Nato“ sowie wegen seiner Beziehungen zu den USA einem „potenziellen Risiko“ ausgesetzt. (AFP/dpa)

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