Terrorismus : Mit weitreichender Wirkung

Ein 23-Jähriger hat am ersten Weihnachtsfeiertag versucht ,einen Airbus beim Anflug auf Detroit mit Hilfe der Substanz PETN in die Luft zu sprengen. Wie gefährlich ist die Chemikalie?

Kai Kupferschmidt

Die Fracht, die der Nigerianer Umar Faruk Abdulmutallab, am ersten Weihnachtsfeiertag in Amsterdam an Bord des Fluges 253 nach Detroit schmuggelte, hat es in sich. Amerikanische Ermittler haben den Sprengstoff als PETN identifiziert. Die Abkürzung steht für Pentaerythrittetranitrat, im Deutschen meist als Nitropenta bezeichnet.

Nitropenta bildet in Reinform farblose Kristalle und ist hochexplosiv. Eine Detonation breitet sich in dem Stoff mit einer Geschwindigkeit von 8400 Metern pro Sekunde aus. PETN ist ein stärkerer Sprengstoff als TNT und einer der Bestandteile des Plastiksprengstoffs Semtex, der bei kommerziellen Sprengungen häufig eingesetzt wird.

Im Nachschlagewerk „Explosivstoffe“ von Rudolf Meyer heißt es, der Stoff sei „bei guter Stabilität und verhältnismäßig geringer Empfindlichkeit einer der kräftigsten und brisantesten Sprengstoffe“. Und schon 1992 warnte Anthony Fainberg vom Zentrum für Internationale Sicherheit und Waffenkontrolle der Universität Stanford im Fachmagazin „Science“, Stoffe wie PETN seien die größte Bedrohung für Flugzeuge, „weil sie sich leicht formen und verstecken lassen, sehr stabil sind und in kleinen Mengen ein großes Flugzeug in der Luft zerstören können“.

Warum der Sprengsatz trotz Rauchentwicklung nicht detonierte, ist noch unklar. PETN ist aber ein „Sekundärsprengstoff“. Bei leichten Erschütterungen oder niedrigen Temperaturen explodiert er nicht. Er benötigt mehr Energie, zum Beispiel in Form einer kleineren Detonation. Das erklärt zumindest, warum die Bombe nach Medienberichten aus zwei Teilen bestand: dem Pulver, das Abdulmutallab am Bein befestigt hatte, und einer Spritze, in der sich eine Chemikalie befand, die die Bombe zur Explosion bringen sollte.

Die Geschichte von Nitropenta führt nach Deutschland. Hier wurde 1891 Nitropenta von den deutschen Chemikern Tollens und Wiegand erstmals hergestellt. Die explosive Wirkung wurde erst 1912 entdeckt, der Stoff daraufhin vom Deutschen Reich patentiert und bereits im Ersten Weltkrieg eingesetzt.

Die Chemikalie hat allerdings nicht nur negative Seiten. Wie auch Nitroglycerin, mit dem Nitropenta eng verwandt ist, wird es in der Medizin als gefäßerweiterndes Mittel eingesetzt und etwa bei einer Angina Pectoris verabreicht. Grund dafür sind dieselben Stickstoffgruppen, die auch die Explosivität ausmachen. Im Körper bildet sich aus ihnen die Substanz Stickstoffmonoxid: das natürliche Signal des Körpers, die Gefäße weit zu stellen. Kai Kupferschmidt

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