Terrorismus : Pakistan nimmt hochrangigen Taliban fest

Die Polizei verkündet einen Erfolg im Kampf gegen den Terror, die Taliban beklagen einen Vertrauensbruch: Muslim Khan sei auf dem Weg zu Friedensgesprächen gewesen.

Pakistanische Sicherheitskräfte haben im unruhigen Nordwesten des Landes einen einflussreichen Sprecher der radikal-islamischen Taliban festgenommen. Wie Armeesprecher Athar Abbas am Freitag mitteilte, wurden Muslim Khan sowie vier weitere ranghohe Aufständische bei einer Militäraktion in Mingora, der wichtigsten Stadt im Swat-Tal, gestellt. Abbas nannte die Festnahmen einen "außergewöhnlichen Erfolg". Zu Einzelheiten äußerte er sich nicht. Die Männer würden von den Behörden verhört.

Im Swat-Tal und der umliegenden Region kommt es immer wieder zu Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Rebellen. Anfang September begann die pakistanische Armee mit einer neuen Offensive gegen die Extremisten. 45 Taliban-Kämpfer seien in den vergangenen Tagen getötet worden, teilte die Armee mit. Pakistan geht seit mehreren Monaten verstärkt gegen die Aufständischen vor. Muslim Khan galt als das Gesicht der radikalen Islamisten in der Grenzregion zu Afghanistan, wo der eigentliche Taliban-Chef Maulana Fazlullah die Öffentlichkeit scheut.

Die Taliban erklärten, Muslim Khan und seine vier Begleiter hätten sich zu Friedensgesprächen mit der Regierung in der Hauptstadt Islamabad aufgehalten. Dort seien sie entgegen der getroffenen Absprachen eingesperrt worden. Armeesprecher Abbas wies die Vorwürfe zurück und sagte, es gebe keine Gespräche mit den Terroristen. Gleichzeitig rief er die Extremisten dazu auf, die Waffen
niederzulegen.

Muslim Khan gilt als enger Vertrauter des Taliban-Führers Maulana Fazlullah, dessen Milizen zu Jahresbeginn vorübergehend die Kontrolle über das Swat-Tal sowie angrenzender Distrikte übernommen hatten. In dieser Zeit fungierte Khan auch als Pressesprecher Fazlullahs und verteidigte gegenüber in- und ausländischen Medien das Vorgehen der Taliban.

Für die Ergreifung Khans hatte die Regierung ein Kopfgeld in Höhe von zehn Millionen Rupien – rund 83.000 Euro – ausgesetzt. Die Festnahme ist ein weiterer Schlag gegen die Taliban in Pakistan, deren Führer Baitullah Mehsud im August bei einem US-Raketenangriff getötet wurde.

Nach dem Scheitern eines Friedensabkommens hatte das Militär im April eine knapp dreimonatige Großoffensive gestartet und die Taliban aus der etwa 150 Kilometer nordwestlich von Islamabad gelegenen Gebirgsregion zurückgedrängt. Dabei waren nach offiziellen Angaben etwa 2000 Aufständische getötet worden. Tausende Bewaffnete tauchten unter. Trotz des militärischen Erfolges gibt es in Swat immer wieder Kämpfe und Anschläge.

Quelle: ZEIT ONLINE, dpa

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