Terrorismus : Politiker gedenken der RAF-Opfer

Bundestagspräsident Norbert Lammert hat mangelnden Respekt vor den Opfern der RAF beklagt. "Die Opfer dürfen nicht vergessen werden", sagte er bei einer Gedenkveranstaltung.

BerlinAuch das Schicksal der Angehörigen werde in der Gesellschaft nicht immer mit dem nötigen Respekt behandelt, fügte der CDU-Politiker Lammert hinzu. Er sprach sich für eine Gedenktafel in Berlin aus, um den Opfern und deren Angehörigen diesen Respekt zu erweisen. Das öffentliche Interesse habe vor allen den Tätern und ihren Lebensgeschichten gegolten, sagte Lammert. Dies sei auch heute noch der Fall. "Leben und Sterben von Terroristen wurden in Filmen, Theaterstücken und Romanen beschrieben, analysiert, erklärt, gelegentlich verklärt und sogar heroisiert", fügte der Bundestagspräsident hinzu.

Der Terror der RAF habe den Rechtsstaat bis an seine Grenzen belastet, ihn aber nicht aus den Angeln gehoben. "Schließlich haben Staat und Gesellschaft diese Belastungsprobe bestanden, ohne dabei selbst die Freiheit zu gefährden, gegen die der Terror gerichtet ist", sagte Lammert. Am Ende sei die Freiheit stärker gewesen.

Zypries: Justiz und Polizei vernachlässigten Opfer

Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) sagte: "Die Faszination für die Verbrechen und ihre Täter scheinen manchmal größer zu sein als das Mitgefühl mit den Opfern". Meist seien die Opfer so wahrgenommen worden, wie die Täter sie gesehen hätten: "Nicht als Menschen, sondern als Repräsentanten eines politischen Systems." Zugleich äußerte sich Zypries kritisch über die Rolle der Behörden: "Justiz und Polizei waren viel zu lange nur täterorientiert. Das Verbrechensopfer und seine Angehörigen interessierten bestenfalls als Zeugen. Mit der Bewältigung ließ man sie weitgehend allein".

Mit Blick auf die aktuelle Terrorismusdebatte betonte Zypries: "Wir wollen kühlen Kopf und klaren Verstand bewahren". Man müsse die Voraussetzungen sichern, damit Justiz und Polizei rechtstaatlich und handwerklich gute Arbeit leisten könnten. "Aber wir können mit berechtigtem Selbstbewusstsein auf die Stärke unseres Rechtsstaates vertrauen", fügte Zypries hinzu. (mit ddp)

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