Terrorismus : Sauerlandprozess: 15-Jähriger schmuggelte die Zünder

Ein 15 Jahre alter Jugendlicher hat für die mutmaßlichen Terroristen der sogenannten "Sauerland-Gruppe" Sprengzünder - in Schuhsohlen versteckt - aus der Türkei nach Deutschland gebracht. Ob der Jugendliche von den Zündern wusste, ist unklar.

Der inzwischen 17-jährige Wolfsburger tunesischer Abstammung ist im Terror-Prozess vor dem Düsseldorfer Oberlandesgericht als Zeuge geladen. Gegen ihn läuft ebenfalls ein Ermittlungsverfahren – er verweigert jedoch bisher die Aussage. Während des Prozesses nahm er mehrmals Blickkontakt mit Fritz G., dem mutmaßlichen Rädelsführer der "Sauerland-Gruppe", auf. Diesem soll er die Schuhe mit den Zündern am 26. August 2007 in Wolfsburg übergeben haben.

In den präparierten Schuhsohlen waren laut Anklage 20 Zünder aus tschechischer Produktion versteckt. Der Wolfsburger sagte laut Vernehmungsprotokollen kurz nach der Festnahme der "Sauerland-Gruppe" Anfang September 2007 aus, er habe die Schuhe sowie eine Jeans in einer weißen Plastiktüte von Istanbul nach Deutschland gebracht.

Ein Beamter des Bundeskriminalamts (BKA), der den Jugendlichen seinerzeit vernommen hatte, sagte, erst nach einem Tränenausbruch habe der Junge in einem Vier-Augen-Gespräch zugegeben, die ominöse Tasche in einer Istanbuler Moschee von einem Unbekannten erhalten zu haben.

Gegen den 17-Jährigen wird wegen des Verdachts der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung und Vorbereitung eines Explosionsverbrechens ermittelt. Bundesanwalt Volker Brinkmann sagte zu ihm: "Ob ich Sie anklagen soll oder nicht, steht so ein bisschen auf der Kippe."

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